Warum du immer wieder Narzissten anziehst und wie du damit aufhörst

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Narzissten Co-Narzissten Anziehung

Manche scheinen toxische Menschen anzuziehen, wie ein Manget die Eisenspäne. Sie schließen neue Kontakte, die auf den ersten Blick so gar nicht toxische wirken und sich später dann doch als üble Narzissten entpuppen. Wie kommt das und warum trifft das besonders auf sehr empathisch veranlagte Menschen zu?

Die Persönlichketisprofile von Empathen und Narzissten passen zueinander wie Positiv zu Negativ beim Foto. Sie ergänzen sich, was in diesem Fall nichts Gutes ist. Dies gilt umso mehr, wenn der empathische Partner (meist die Frau in der Beziehung) ein ausgeprägtes Harmoniebedürfnis hat und durch ihre kindlichen Prägungen co-narzisstische Tendenzen aufweist.

Warum ziehen sich Empathen und Narzissten so stark an?

Empathen Narzissten Anziehung

Zwischen Empathen und Narzissten besteht eine besondere Anziehungskraft. Sie haben einen eigenen Magnetismus, der sie unweigerlich zueinander hinzieht. Zumindest, solange die Empathin ihre Entwicklungsaufgaben noch nicht bewältigt hat. Theoretisch stimmt das umgekehrt auch für den Narzissten, doch gelten diese als ziemlich therapieresistent.

Beide Partner delegieren dabei ihre eigenen unerfüllten Bedürfnisse auf den jeweils anderen. Auf der einen Seite steht ein Mensch, der gerne zu viel gibt (Co-Narzisst). Auf der anderen einer, der gerne zu viel nimmt (Narzisst). Für beide stellt dies ihre gewohnte Art dar, mit anderen Menschen in Beziehung zu sein. Sie kennen es nicht anders.

Der Narzisst hofft, von der Empathin alle seine Wünsche und Bedürfnisse erfüllt zu bekommen. Dabei möchte möglichst wenig zurückgeben und sich nicht verändern.

Die Empathin / Co-Narzisstin hofft insgeheim, dass etwas von dem faszinierenden Selbstbewusstsein des Narzissten auf sie übergeht. Gleichzeitig versucht sie, ihr Selbstwertgefühl zu stabilisieren, indem sie für ihn die perfekte Partnerin spielt. Denn das ist die Art, wie sie gelernt hat, sich als wertvoller Mensch zu fühlen.

Mit der Zeit kommen die verborgenen Entwicklungsthemen ans Licht

So bleibt auch die Empathin in ihren kindlichen Bedürfnissen stecken und versucht, sich nicht weiterentwickeln zu müssen. Denn diese Entwicklung bedeutet, Vertrautes aufzugeben und ist oft unbewusst strak Angst besetzt. Dabei ist es faszinierend, dass Empathen / Co-Narzissten meist ein ausgesprochen großes Interesse an persönlicher Weiterentwicklung haben. Sie verschlingen reihenweise Selbsthilfebücher, lesen Blogs und Zeitschriftenartikel zum Thema, während ihre wahren Entwicklungsthemen oft jahrelang vor ihnen verborgen bleiben.

Leider geht die Rechnung für beide nur kurzfristig auf. Je länger die Beziehung dauert, desto mehr kommen die Schattenseiten dieser Konstellation ans Tageslicht. Denn hier gehen zwei Menschen auf der Ebene ihrer undifferenzierten kindlichen Bedürfnisse eine Beziehung ein und versuchen unbewusst, den eigenen anstehenden Reifungsschritten aus dem Weg zu gehen, indem sie diese an den Partner delegieren, anstatt selbst reifer und vollständiger zu werden.

Anthroposophische Sicht auf die Entwicklungsaufgaben in der toxischen Beziehung

Im Sinne der Anthroposophie nach Rudolf Steiner konnten hier die Entwicklungsaufgaben einer früheren Stufe nicht bewältigt werden. Dadurch kommt es in diesem Lebensbereich zu einer Stauung der Lebensenergie. Hinter dieser Blockade fließt immer weiter neue Lebensenergie nach. So erhöht sich der Druck auf die Blockade zunehmend, während auf der anderen Seite der Energiefluss zum Erliegen kommt.

Wenn der Energiefluss stockt, merkst du das daran, dass in dem entsprechenden Lebensbereich nichts so richtig funktionieren will. Egal, was du auch im Außen versuchst, nichts gelingt. Es ist, als würdest du mit den Füßen in klebrigem Pech stecken, während du versuchst, einen Marathon zu laufen.

Weil sich immer mehr Energie aufstaut, nehmen die Probleme in diesem Lebensbereich weiter zu. Das Leben sorgt so dafür, dass wir die anstehenden Lernaufgaben nicht ignorieren können. Wir sitzen nach in der Schule des Lebens.

Lebenskrise als Wendepunkt

Die wachsenden Probleme wollen uns zusätzliche Gelegenheiten bieten, die versäumten Entwicklungsschritte nachzuholen. Manchmal muss der Druck erst so weit steigen, dass es zu einem Dammbruch kommt, der häufig mit einer massiven Lebenskrise einhergeht. Alles Dysfunktionale aber Gewohnte bricht zusammen. So kommt der Energiefluss wieder in Gang.

Wir können uns viel Leid ersparen, wenn wir unsere offenen Entwicklungsaufgaben angehen, bevor es zum totalen Kollaps kommt.

Im Life-Coaching helfe ich meinen Klienten, diese Entwicklungsaufgaben zu erkennen und zu bewältigen, damit sie die alten destruktiven Beziehungsmuster überwinden und die ihre Chancen auf eine liebevolle Partnerschaft steigen.

Narzisst und Co-Narzisstin versuchen unbewusst, die nicht gemeisterten Entwicklungsaufgaben an den Partner zu übertragen. Einerseits durch die Partnerwahl, andererseits durch ihr Verhalten in der Partnerschaft.

Das erklärt auch, warum die Lösung nicht im Außen zu finden ist. Um dieses Thema dauerhaft zu bewältigen, musst du den Weg in die eigene Tiefe gehen. Dort wartet ein Schatz auf dich, der geborgen werden will: Dein wahres Selbst, befreit von alten in der Kindheit erlernten dysfunktionalen Bindungsmustern.

Empathisch-Narzisstischer Grundkonflikt

Unter Paartherapeuten gibt es einen geflügelten Satz: Wir gehen mit unserer verletzten Kinderseele auf Partnersuche. Das trifft sicherlich auf toxische Beziehungen mit Abstand am meisten zu.

Partnerschaften sind der perfekte Rahmen für unsere inneren Kinder, ihre ungelösten Konflikte zu bearbeiten. Dafür finden wir mit traumwandlerischer Sicherheit die passenden Partner.

Zwischen zwei Menschen entsteht oft eine enorme Anziehungskraft, wenn sie ein ähnlicher ungelöster Grundkonflikt verbindet.

Toxische empathisch-narzisstische Beziehungsdynamik

Meist hat jeder Partner für sich früh in seinem Leben unbewusst beschlossen, auf eine bestimmte Weise mit diesem ungelösten Konflikt umzugehen (Bewältigungsstrategie). Beim empathisch-narzisstischen Grundkonflikt sind diese Bewältigungsstrategien häufig entgegengesetzt zwischen beiden Partnern. Die Kinderseele in uns versucht immer noch das alte Thema zu lösen. Wir sind fasziniert von anderen, die mit dem gleichen Thema völlig anders umgehen, als wir selbst.

Diese Polarität bei verbindendem Grundthema führt zu einer Anziehungskraft, der sich die Beteiligten kaum entziehen können. Gerade am Anfang einer toxischen Beziehung führt diese Polarität häufig zu enormer sexueller Spannung. Diese wird oft als große Leidenschaft fehlgedeutet.

Narzisstische Kollusion nach Jürg Willi

Das Kollusionskonzept des Schweizer Psychiaters Jürg Willi beschreibt die magnetische Anziehung zwischen Narzisst und Co-Narzisstin besonders treffend.

Ein Partner geht mit dem gemeinsamen ungelösten Grundkonflikt progressiv um, indem er überkompensiert. Der andere Partner geht regressiv damit um. Einer im aktiven Kampf-Modus, der andere im passiven Flucht-Modus. Denk nochmal an den oben stehenden Satz:

therapeutische Sprichwort

Wir gehen mit unserer verletzten Kinderseele auf Partnersuche

Jetzt verstehst du schon besser, wie die Anziehung bei der narzisstischen Kollusion funktioniert. Dein verletztes Kind spürt intuitiv, dass der andere die gleiche offene Wunde (gemeinsamer Grundkonflikt) in sich trägt, wie du. Eure verletzten Kinder erkennen sich und bewegen sich aufeinander zu.

Gemeinsame Urverletzung von Empathin und Narzisst

Das sorgt für ein hohes Maß an Empathie durch Wiedererkennen, besonders beim co-narzisstisch veranlagten Partner, denn Gemeinsames verbindet. Umso mehr, wenn es sich dabei um eine gemeinsame Urverletzung handelt. Auch der Narzisst spürt unbewusst, dass er etwas Wesentliches mit seiner co-narzisstischen Partnerin teilt.

Das verletzte innere Kind in beiden versucht schon immer, diesen Grundkonflikt zu bewältigen und seine Urverletzung zu heilen, um wieder ganz zu werden. So keimt in ihm die Hoffnung, die Lösung an den Partner delegieren zu können, denn dieser hat scheinbar das, was uns fehlt.

Durch das Abwälzen der eigenen Entwicklungsaufgaben an den Partner muss sich das verletzte innere Kind nicht mit seiner Angst konfrontieren, sich mit bestimmten schmerzhaften Aspekten seiner Urwunde auseinandersetzen zu müssen. Dafür gibt es ja jetzt den Partner, der diese Aspekte stellvertretend auslebt.

Trügerisches Gefühl der Verbundenheit

Der gemeinsame Grundkonflikt bei gleichzeitig entgegengesetzten Bewältigungsmodi führt häufig zu einem Gefühl außergewöhnlich tiefer Verbundenheit mit wechselnder Anziehung und Abstoßung.

Beide sind wie Feuer und Wasser und kommen dennoch nicht voneinander los. Das gilt in der narzisstischen Kollusion ebenso für den Narzissten, auch wenn dessen Verhalten das Gegenteil suggerieren mag. In der narzisstischen Kollusion sind beide Partner gleichermaßen stark aneinander gekettet.

Dieses Verbundenheitsgefühl und die erlebte "Tiefe" in der narzisstischen Kollusion führen häufig zu dem Irrglauben, in einer besonders wertvollen Beziehung zu stecken. Viele glauben dadurch, füreinander bestimmt oder "Seelenverwandte" zu sein. Verstärkt wird dieses Gefühl oft noch durch die süchtig machende Achterbahnfahrt der Gefühle mit wechselnden Phasen der Verschmelzung und Abwertung.

Verlustängste durch emotionale Achterbahnfahrt

Das Wechselbad der Gefühle triggert tief sitzende  Verlustängste, besonders beim Co-Narzissten. Diese Verlustängste interpretieren viele ebenfalls als Liebe. Nach dem Motto "Wenn mich der Gedanke, ihn zu verlieren so fertig macht, muss es Liebe sein." Doch mit Liebe hat das nichts zu tun.

Häufig existiert bei co-narzisstischen Partnern der Glaubenssatz, wenn die Probleme nicht in dieser Partnerschaft gelöst werden, werden sie nie gelöst und holen sie immer wieder ein.

Es stimmt, dass die narzisstische Kollusion eine besondere Form der "Partnerschaft" ist und heftigste Gefühle auslösen kann. Hier sind zwei Menschen aneinander gefesselt, die füreinander wie Kryptonit sind. Sie machen sich langfristig gegenseitig kaputt. Das gilt in dieser Form ebenso für den Narzissten.

Denn auch wenn er es immer mal wieder versucht, so ganz kommt er meist doch nicht von seiner Partnerin los. Oft schlägt die "Liebe" mit der Zeit in Hass um. Doch Hass bindet mindestens ebenso so stark, wie Zuneigung.

Gemeinsame Lernaufgabe von Narzisst und Co-Narzisstin

Selbstverständlich haben beide in der narzisstischen Kollusion gemeinsame Lernaufgaben. Oft sind diese nur mit therapeutischer Hilfe zu bewältigen. Mit etwas Glück bist du dann zum letzten Mal in eine narzisstische Kollusion geraten. Für die Bewältigung der anstehenden Lernaufgabe ist es jedoch nicht nötig, in der toxischen Beziehung zu bleiben. Im Gegenteil.

Die Heilungsaussichten für den co-narzisstisch veranlagten Partner sind dabei deutlich größer, als für den Narzissten. Denn die Narzisstische Persönlichkeitsstörung (NPS) gilt als höchstens leicht beeinflussbar, aber nicht therapierbar.

Das setzt darüber hinaus ehrliche Krankheitseinsicht voraus, die in der Regel mit dem grandiosen Selbstbild des Narzissten nicht zu vereinbaren ist. Denn in seiner Sichtweise sind stets die anderen schuld und haben die Probleme. Wenn er leidet, dann nur unter der Unzulänglichkeit anderer Menschen, nicht unter eigenen Fehlern. Zusätzlich wird eine große Motivation benötigt, um die Therapie auch durchzuhalten. Beides ist selten gegeben.

Der gemeinsame Grundkonflikt in der Narzisstischen Kollusion

Das gemeinsame Beziehungsthema zwischen Narzisst und Co-Narzisstin kreist um das Spannungsfeld zwischen Verschmelzung und Autonomie. Bei der toxischen Beziehung findet sich die stärkste Ausprägung dieses Nähe-Distanz-Konflikts.

Beide tanzen um die Fragen: Wie weit muss ich mich in einer Beziehung selbst aufgeben und im anderen aufgehen? Und wie weit kann ich darin ich selbst bleiben?

Dabei befinden sich beide Partner in der narzisstischen Kollusion an den genau gegenüberliegenden Punkten des Spektrums.

Narzisstische Kollusion

Exakt hier findet sich auch die Entwicklungsaufgabe beider Parteien. Auch wenn meist nur die Co-Narzissten sie irgendwann wirklich bewältigen.

Die Co-Narzisstin ordnet sich grundsätzlich zu sehr unter und geht zu stark auf im narzisstischen Partner. Was natürlich dadurch verstärkt wird, dass dieser sich hochgradig manipulativ verhält. Der Narzisst wiederum möchte in der Beziehung vollkommen er selbst bleiben. Alles soll sich ausschließlich um ihn drehen, ohne dass er sich anpassen oder ändern muss.

Dabei handelt es sich um typische Spannungsfelder jeder Beziehung, deren Bewältigung in der narzisstischen Kollusion jedoch nicht gelingt. Dazu gehören noch weitere Spannungsfelder, bei denen in einer gesunden Beziehung ein Gleichgewicht gefunden werden muss:

  • Wie weit muss ich mich in einer Partnerschaft abgrenzen?
  • Bis zu welchem Punkt sollen wir miteinander verschmelzen?
  • Wie sehr soll ich mein Eigenes entwickeln oder kann ich das vermeintlich bessere Selbst meines Partners entleihen?
  • Definiere ich meinen Selbstwert ausschließlich aus mir selbst heraus oder lasse ich meinen Partner über meinen Selbstwert bestimmen?

Ideal wäre ein harmonisches Fließgleichgewicht

In einer gesunden Partnerschaft finden beide Partner im Laufe der Zeit ein harmonisches Fließgleichgewicht (Homöostase) in diesen Fragen. In der toxischen Beziehung verschanzen sich beide Seiten dagegen immer mehr an ihren gegenüberliegenden Extrempunkten. Dabei gelingt es ihnen nicht, miteinander und aneinander zu wachsen (*Ko-Evolution, Jürg Willi).

Lies hier weiter: >>> Wie du aufhörst, Narzissten anzuziehen

Dein nächster Schritt

Wahrscheinlich informierst du dich nicht zum Spaß über toxische Beziehungen und Narzissmus. Viele suchen Rat und Hilfe, weil sie selbst in einer toxischen Beziehung stecken bzw. unter deren Folgen leiden oder mit einem Narzissten in ihrem Umfeld zu tun haben. Trage dich zu meinem kostenlosen Narzissten-Detox-Kur(s) ein und lerne, Narzissten besser zu verstehen und toxische Beziehungsmuster zu überwinden:

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* Jürg Willi, "Die Zweierbeziehung - Spannungsursachen, Störungsmuster, Klärungsprozesse, Lösungsmodelle", Rowohlt Taschenbuch Verlag, 18. Auflage Juli 2007, S. 71

Life-Coaching

Den meisten Menschen fällt es schwer, nach der Beziehung mit einem Narzissten wieder auf die Beine zu kommen. Im Life-Coaching begleite ich dich durch einen mehrstufigen Wachstumsprozess, der es dir ermöglicht, das Erlebte so zu verarbeiten, dass der Schmerz endet und du dein Leben wieder genießen kannst.

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