Negativer Vaterkomplex der Frau – Ich genüge nicht

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Negativer Vaterkomplex der Frau – Ich genüge nicht

Frauen mit einem negativen Vaterkomplex haben es sowohl schwerer als auch leichter, als Frauen mit einem positiven Vaterkomplex. Einerseits steht sie unter enormem Leistungsdruck, andererseits ist bei ihr die weibliche Rolle weniger stark entwertet, als bei der Frau mit positivem Vaterkomplex.

Während Frauen mit einem positiven Vaterkomplex es genießen, dem Vater zu gefallen, in seiner Anerkennung zu schwelgen und ihm nachzueifern, haben sie solange diese Komplexkonstellation für sie funktioniert, kaum das Bedürfnis, sich aus dem Schatten des Vaters zu lösen und ihr eigenes Wesen zu entwickeln.

Tun sie es dann doch, merken sie erst, wie sehr sie auf den Vater bezogen waren. Da sie häufig mit ihrer eigenen Mutter oder Frauen ganz allgemein wenig anfangen und wenig erstrebenswerteres daran entdecken können, fällt es ihnen in der Regel schwerer, nach dem Ablösen vom Vaterkomplex in die weibliche Rolle zu finden.

Anders bei Frauen mit negativem Vaterkomplex. Hier ist häufig die weibliche Rolle nicht im gleichen Maße entwertet und ein späterer Zugang zum eigenen Weiblichen leichter zu finden. Ausnahmen gibt es natürlich immer.

Es ist für Frauen in der Regel leichter, einen negativen Vaterkomplex zu bewältigen, als einen negativen Mutterkomplex. Ebenso haben es Söhne deutlich schwerer, später im Leben mit einem negativen Vaterkomplex zurechtzukommen, da Eltern immer auch Rollenvorbilder für die Geschlechtsidentität und das Rollenverständnis ihrer Kinder sind.

Negativer Vaterkomplex der Frau in Beruf und Alltag

Frauen mit ursprünglich negativem Vaterkomplex haben unter dem strengen Blick des Vaters gelitten und fühlen sich noch als Erwachsene unter ständiger Beobachtung. Oft hat sich der Vater auch eher einen Sohn gewünscht und konnte mit Mädchen wenig anfangen. Diese Enttäuschung hat er sie spüren lassen.

Viele Frauen mit negativem Vaterkomplex geben sich daher auch betont männlich, um der Sohn zu werden, den der Vater nie hatte. Doch selbst wenn sie das nicht tun, stehen sie stets unter großem Leistungsdruck.

Als müssten sie beweisen, dass sie ein Anrecht haben, da zu sein. Sie empfinden das ganze Leben als Prüfungssituation, in der nur die Besten überleben. Selbst dann, wenn der Vater schon gar nicht mehr lebt, fürchten sie weiterhin sein verinnerlichtes Urteil, das selten positiv ausfiel.

Entweder sie ist die Beste, oder sie fühlt sich als Nichts. Dazwischen existiert nichts. Diese Art von digitalem Schwarz-Weiß-Denken ist typisch für den negativen Vaterkomplex der Frau.

Der permanente innere Druck und der Wille zur Leistung macht sie beruflich oft sehr erfolgreich, doch fühlt sich auch der größte Erfolg für die Frau mit negativem Vaterkomplex von innen heraus leer an, da der Stachel der ständigen Abwertungen des Vaters zu tief sitzt.

"Aus dir wird nie etwas!"

"Du kannst es einfach nicht!"

"Mädchen sind zu blöd dafür!"

Typisch für den negativen Vaterkomplex der Frau ist der Weg in den Burnout und andere stressbedingte Probleme, wie psychosomatische Beschwerden. Da der Leistungsdruck enorme Ausmaße annehmen kann, ist der Körper meist die Sollbruchstelle ihres Systems. Er setzt Grenzen und verhindert, dass sie noch schneller auf die Wand am Ende Strecke zurast.

Die Frau mit negativem Vaterkomplex in Beziehung

Eine Frau mit negativem Vaterkomplex gibt die Be- und Entwertungen, die sie selbst erfahren hat, häufig unreflektiert an ihre Mitmenschen weiter. Sie selbst konnte ihrem Vater nie genügen.

So geht es ihr auch mit anderen. Diese Neigung zu harter Bewertung geht auf die Verinnerlichung des väterlichen Verhaltens zurück, auf das sie unter Stressbedingungen automatisch zurückgreift. Sie fühlt sich als ungenügendes Individuum in einer Welt von ungenügenden Individuen.

Wie hart sie über andere Urteilen und wie sehr sie ihre Mitmenschen abwerten kann, wenn sie an ihnen etwas auszusetzen hat, ist der Frau mit negativem Vaterkomplex häufig nicht bewusst. Es geschieht auch nicht absichtlich oder böswillig. Wenn es ihnen einmal bewusst wird, wollen die meisten Betroffenen nicht so sein.

Die Wachstumskrise der Frau mit negativem Vaterkomplex

Die Wachstumskrise tritt bei der Frau mit negativem Vaterkomplex häufig ein, wenn klar wird, dass auf dem eingeschlagenen Weg nichts zu holen ist. Wonach sich die Betroffenen wirklich sehnen, ist ein Gefühl des Dazugehörens. Ein Wir-Gefühl.

Ein So-Sein-Dürfen, wie man ist. Durch die schmerzhafte Erkenntnis, dass der bisherige Lebensweg über Leistung und Erfolge in mancher Hinsicht ein Holzweg war, kann die Abwendung vom negativen Vaterkomplex gelingen. Sie ist der erste Schritt.

Für die Bewältigung des negativen Vaterkomplexes braucht es oft professionelle Hilfe.

Die Entwicklungsaufgabe für die Frau mit negativem Vaterkomplex

Die Wachstumsherausforderung liegt für die Frau mit negativem Vaterkomplex unter anderem darin, sich dem eigenen Weiblichen zuzuwenden und es zu erfahren, um das ozeanische Lebensgefühl von Getragen sein und Dazuzugehören entwickeln zu können, das bisher durch den negativen Vaterkomplex für sie nicht erreichbar war.

Um hier noch tiefer einzusteigen, lies mein Buch über die unterschiedlichen Elterntypen und wie man sich jeweils erfolgreich von ihnen abnabelt. Du findest darin jede Menge Hintergrundwissen und effektive Übungen:

Ich geh dann mal meinen eigenen Weg - Wie die Erwartungen unserer Eltern unser Leben bestimmen und wie wir uns davon befreien

Gauger, Andreas
ICH GEH DANN MAL MEINEN EIGENEN WEG - Wie die Erwartungen unserer Eltern unser Leben bestimmen und wie wir uns davon befreien

Mit umfangreichem Übungsteil

Taschenbuch (240 S.)
16,99 €

Literaturnachweis und weiterführende Literatur:

*Verena Kast, "Vater-Töchter Mutter-Söhne - Wege zur eigenen Identität aus Vater- und Mutterkomplexen", Kreuz-Verlag, 5. Auflage der Neuausgabe 2005
*Louis Schützenhöfer, "In aller Liebe - Wie wir unsere Mutter überleben", Verlag Herder GmbH, 2004
*Colin C. Tipping, "Ich vergebe - Der radikale Abschied vom Opferdasein"jKamphausen Verlag, 11. Auflage 2010
*Alice Miller, "Am Anfang war Erziehung", Suhrkamp Taschenbuch Verlag, 1. Auflage 1983
*Marie-Louise von Franz, "Der ewige Jüngling - Der Puer Aeternus und der kreative Genius im Erwachsenen", Kösel-Verlag, 1987
*Bruno Bettelheim, "Die symbolischen Wunden - Pubertätsriten und der Neid des Mannes", Fischer Verlag, November 1982
*Alexander Mitscherlich - "Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft", Piper Verlag, Neuausgabe 1973
*John Eldredge, "Der ungezähmte Mann - Auf dem Weg zu einer neuen Männlichkeit", Brunnen Verlag, 15. Auflage 2013
*Clarisse Pinkola Estés, "Die Wolfsfrau - Die Kraft der weiblichen Urinstinkte", Heyne Verlag, 6. Auflage 1993
*Bjørn Thorsten Leimbach, "Männlichkeit leben - Die Stärkung des Maskulinen", Ellert & Richter Verlag, 8. Auflage 2014
*Astrid Leila Bust, "Weiblichkeit leben - Die Hinwendung zum Femininen", Ellert & Richter Verlag, 5. Auflage 2017
*Robert Bly, "Eisenhans - Ein Buch über Männer", Rowohlt Taschenbuch Verlag, Juni 2005
*Robert Moore & Douglas Gillette, "König Krieger Magier Liebhaber - Initiation in das wahre männliche Selbst durch kraftvolle Archetypen", Aurinia Verlag, 2014
*Roland Kopp-Wichmann, "Frauen wollen erwachsene Männer - Warum Männer sich ablösen müssen, um lieben zu können", Herder Verlag, 2011
Gerald Hüther, "Männer - Das schwache Geschlecht und sein Gehirn", Vandenhoeck & Ruprecht Verlag, 2009
*David Deida, "Der Weg des wahren Mannes - Ein Leitfaden für Meisterschaft in Beziehungen, Beruf und Sexualität", J Kamphausen Mediengruppe GmbH, 14. Auflage 2015

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