by Andreas Gauger

Narzisstische Kunden/Lieferanten: Wenn du nicht einfach aussteigen kannst

Narzissmus am Arbeitsplatz

Der Anruf kommt um 21:47 Uhr. Sonntagabend. Du erkennst die Nummer und dein Magen verkrampft sich.

"Wir brauchen die Präsentation bis morgen früh komplett überarbeitet. Neue CI. Andere Storyline."

Es ist keine Frage. Es ist ein Befehl. Von dem Kunden, der 60% deines Umsatzes ausmacht.

"Das sind mindestens 15 Stunden Arbeit."

"Dann sollten Sie besser anfangen." Die Leitung ist tot.

Deine Tochter wollte dir gerade ihre Hausaufgaben zeigen. Aber du stehst auf. Gehst ins Büro. Wieder mal.

Nicht weil du willst. Weil du musst. Weil drei Mitarbeiter von diesem Kunden leben. Weil dein ganzes Geschäftsmodell an diesem einen Kunden hängt.

In diesem Artikel erfährst du:

  • Warum ein dominanter Großkunde gefährlicher ist als ein schlechter Chef
  • Wie narzisstische Lieferanten deine Existenz bedrohen
  • Was in deinem Nervensystem passiert, wenn der Umsatz wegbricht
  • Warum du aus Panik immer nachgibst (und wie du das änderst)
  • Wie du die innere Ruhe findest, um klare Entscheidungen zu treffen

Die Großkunden-Falle: 60% Umsatz = 100% Macht

Es fing so gut an. Der erste große Auftrag. Endlich schwarze Zahlen. Du hast expandiert. Mitarbeiter eingestellt. Dich spezialisiert auf seine Bedürfnisse.

Jetzt macht er 60% deines Umsatzes. Und er weiß es.

Die Zahlungsziele? Wurden schleichend länger. Erst 30 Tage. Dann 60. Jetzt 90.

Die Preise? Jedes Jahr "Kostenoptimierung". Heißt: Du senkst oder er geht.

Die Anforderungen? Explodieren. Das Budget? Bleibt gleich.

Du könntest Nein sagen. Theoretisch. Praktisch bedeutet Nein: Drei Kündigungen. Büro aufgeben. Also sagst du Ja.

Das Lieferanten-Monopol: Wenn nur einer hat, was du unbedingt brauchst

Der Spezial-Lieferant. Der einzige mit der Komponente, ohne die nichts läuft.

Die Lieferzeiten? Werden länger. Die Qualität? Schwankt. Die Preise? Steigen.

Du beschwerst dich? "Dann suchen Sie sich einen anderen." Er weiß, es gibt keinen anderen.

Also schluckst du alles. Weil die Alternative heißt: Produktion steht still.

Die verschiedenen Gesichter schwieriger Kunden

Narzisstische Kunden und Lieferanten erkennst du nicht an schlechten Manieren. Die können charmant sein - solange du spurst.

Das Problem: Sie nutzen ihre Machtposition systematisch aus.

Der Macht-Kunde: "Sie brauchen mich mehr als ich Sie"

Er sagt es nicht direkt. Muss er nicht. Es schwingt in jedem Satz mit.

"Ich überlege, die Zusammenarbeit zu überdenken." Nicht weil etwas nicht stimmt. Sondern um zu sehen, wie du strampelst. Rabatte anbietest, die du dir nicht leisten kannst.

Er verschiebt Zahlungen. "Liquiditätsengpass." Bei ihm läuft's prächtig. Aber was willst du machen? Mahnen? Deinen wichtigsten Kunden verprellen?

Er fordert Extras. Kostenlos. "Selbstverständlich bei unserer Partnerschaft." Partnerschaft - während er dich warten lässt. 20 Minuten. 30. "Sorry, wichtiger Call."

Der Never-Enough-Kunde

Nichts ist gut genug. Die Präsentation? "Geht in die richtige Richtung, aber..." Das Produkt? "Fast da, nur noch..."

Du optimierst. Überarbeitest. Die Ziellinie verschiebt sich. Immer weiter weg.

"Beim Wettbewerber bekomme ich..." Die Drohung hängt in der Luft. Also legst du nach. Noch ein Extra. Noch ein Rabatt.

Die Rechnung? Wird gekürzt. "Entspricht nicht zu 100% den Erwartungen." Es sind nie 100%. Das ist das System.

Der Preis-Drücker

Jedes Jahr dasselbe: "Wir müssen über die Konditionen sprechen."

10% Nachlass. Mindestens. Immer gibt's einen Grund.

Du rechnest. Minus 10%: kein Gewinn. Minus 15%: Verlust. Er will 20%. "Oder wir orientieren uns neu."

Also gibst du nach. 17%. Nächstes Jahr geht's weiter.

Parallel fordert er mehr. Schnellere Lieferung. Bessere Qualität. Für weniger Geld.

Der Bewertungs-Erpresser

"Wäre schade, wenn ich meine Erfahrungen öffentlich teilen müsste."

Der Satz fällt beiläufig. Während er die Rechnung um 40% kürzen will.

127 Google-Bewertungen. 4,8 Sterne. Drei Jahre Aufbauarbeit. Er könnte alles zerstören mit einem Klick.

Ein langer Text voller Halbwahrheiten. Aus "24 Stunden Bearbeitungszeit" wird "tagelange Wartezeit". Seine unmöglichen Forderungen? Erwähnt er nicht.

Also gibst du nach. Die Kürzung. Die Gratis-Extras. Weil eine schlechte Bewertung mehr kostet als dieser Deal. Dein digitaler Ruf ist deine Lebensversicherung.

Warum du immer nachgibst

Im Auto nach dem Meeting trifft es dich. Er hat dich wieder vorgeführt. Preise gedrückt. Unmögliche Deadlines gesetzt. Und du hast genickt. "Wir schaffen das."

Warum machst du das mit dir?

Die Antwort ist einfach: Existenzangst überschreibt alles. Deine Grenzen. Deinen Selbstrespekt. Wenn die wirtschaftliche Existenz bedroht ist, macht dein System nur noch eins: Überleben.

Was in deinem Nervensystem passiert

Wenn der Großkunde mit Auftragsstopp droht, reagiert dein Gehirn wie bei existenzieller Bedrohung. Die Amygdala signalisiert: GEFAHR!

Aber diese Bedrohung ist permanent. Jeden Anruf. Jede Mail. Dein Cortisol-Spiegel bleibt hoch. Dein rationales Denken fährt runter. Du funktionierst im Überlebensmodus.

"Ich brauche das bis morgen." Dein Kopf: Unmöglich. Dein Mund: "Machen wir."

Diese Diskrepanz erschöpft dich. Aber dein Nervensystem hat entschieden: Kooperation sichert Überleben. Also fügst du dich. Die Rechnungen müssen bezahlt werden. Die Firma muss überleben.

Wenn Umsatzverlust zur Überlebensfrage wird

Dein Nervensystem unterscheidet nicht zwischen "Kunde verlieren" und "verhungern". Für dein Stammhirn ist beides existenzielle Bedrohung.

Die Formel ist einfach und immer gleich:

Reiz → Verarbeitung → Reaktion

Der Reiz: "Wir müssen über unsere Zusammenarbeit nachdenken." Sechs Worte. Dein Körper reagiert sofort. Puls steigt. Magen verkrampft.

Die Verarbeitung: Amygdala signalisiert BEDROHUNG. Stresshormone fluten deinen Körper. Der präfrontale Cortex - zuständig für rationales Denken - fährt runter. Das Stammhirn übernimmt. Kämpfen? Unmöglich. Fliehen? Du brauchst den Umsatz. Also: Nachgeben.

Die Reaktion: "Natürlich schaffen wir das." Die Sätze kommen automatisch. Dein Überlebensmodus spricht, nicht deine Vernunft.

Später merkst du: Was habe ich da zugesagt? Aber das Versprechen ist gegeben. Der nächste Präzedenzfall geschaffen.

Je öfter du aus Angst nachgibst, desto automatischer wird es. Der Kunde fordert, du lieferst. Reflex statt Entscheidung.

Die Wahrheit: Ohne innere Stabilität bist du manipulierbar

Solange dein Nervensystem bei jeder Drohung in Panik gerät, bist du erpressbar. Jede Angst-Entscheidung macht dich schwächer.

Der Großkunde fordert 30% Rabatt. Unter Selbstkosten. Dein Angstsystem schreit: Verlier ihn nicht! Du gibst 25%.

Diese Panik-Entscheidungen graben das Loch tiefer. Die Margen schrumpfen. Die Abhängigkeit wächst.

Es kostet nicht nur Geld. Du schläfst schlecht. Wirst reizbar. Überträgst den Druck nach unten. Dein Team merkt es. Deine Familie auch.

Was du bräuchtest: Innerlich ruhig bleiben, wenn er droht. Die Klarheit zu sagen: "Diese Konditionen akzeptiere ich nicht." Und dabei zu bleiben.

Du hast die Wahl

Du kannst weiter aus Angst nachgeben. Weiter schlechte Deals machen. Weiter hoffen, dass er gnädiger wird. Jeden Sonntagabend mit Magenkrämpfen ans Telefon gehen.

Oder du findest diese innere Ruhe, die dich unerpressbar macht. Grenzen setzen wie ein Mönch - nicht durch Härte oder Kampf, sondern durch Gelassenheit, wenn andere eskalieren.

"Aber ich bin nicht so! Bei 60% Umsatzanteil kann ich mir das nicht leisten!"

Verstehe ich. Aber hier ist, was du wissen musst: Diese Gelassenheit ist kein Talent. Sie ist Training. Mönche werden nicht damit geboren - sie entwickeln sie durch systematische Arbeit am eigenen Nervensystem.

Reiz → Verarbeitung → Reaktion. Lernst du, gezielt die innere Verarbeitung zu verändern, ändert sich automatisch die Reaktion deines Nervensystems..

Klare Grenzen, Innere Ruhe.
Das Coaching-Programm.

Tiefer eintauchen

Seit über 13 Jahren begleite ich Menschen dabei, sich aus toxischen Beziehungen zu befreien, gesündere Beziehungs-Entscheidungen zu treffen und wieder ganz zu sich selbst zu finden.

Meine Methode verbindet die effektivsten Ansätze aus Coaching, Persönlichkeitsentwicklung, buddhistischer und allgemeiner Psychotherapie, Taoismus, Stoizismus und Resilienzforschung.

Wenn du diesen Weg selbst gehen möchtest, freue ich mich darauf, dich kennenzulernen.

Andreas