by Andreas Gauger

Sadismus: Wenn das Leid anderer befriedigt

Narzissmus verstehen

Sadisten: Es gibt Menschen, die nicht aus Wut verletzen, nicht aus Strategie demütigen und auch nicht aus verletztem Ego zurückschlagen.

Sie wirken kontrolliert, manchmal sogar freundlich – und doch spürst du eine unterschwellige Bedrohung.

Du merkst es an ihrem Lächeln, wenn du fällst.

Du stolperst beim Firmenevent über die Stufe. Alle helfen, fragen, ob alles okay ist. Nur sie steht da, nippt an ihrem Wein. Dieses Lächeln – nicht schadenfroh, sondern satt. Als hätte sie gerade ihr Lieblingsdessert bekommen. Eine Woche später "rutscht" dir die Kaffeetasse aus der Hand, als sie vorbeigeht. War das ihr Ellbogen? Du wirst es nie beweisen können.

Denn während andere aus Eigennutz handeln oder Anerkennung suchen, geht es Sadisten um etwas anderes: das Leiden selbst ist ihr Ziel.

Dieses Muster beschreibt die Psychologie mit dem Begriff Sadismus.

Herkunft des Begriffs

Der Name geht zurück auf Donatien Alphonse François de Sade, einen französischen Schriftsteller des 18. Jahrhunderts. In seinen Werken verband er Gewalt mit Lust und wurde berüchtigt für seine Grausamkeit.

Was ursprünglich sexuelle Perversion beschrieb, wurde später zum psychologischen Konstrukt: eine Persönlichkeitsausprägung, die Schmerz nicht als Mittel versteht, sondern als Zweck.

Was Sadismus ausmacht

Psychologisch beschreibt Sadismus drei Kernelemente:

  • Freude am Leiden: Schmerz, Erniedrigung oder Angst anderer sind Quelle echter Befriedigung.
  • Machtgefühl durch Zerstörung: Überlegenheit entsteht im Moment, wenn der andere zerbricht.
  • Gezielte Provokation: Situationen werden absichtlich herbeigeführt, um Leid zu erzeugen.

Während Narzissten Applaus brauchen und Machiavellisten Vorteile suchen, will der Sadist nur eines: deine Tränen.

So zeigt sich Sadismus im Alltag

Im Privaten kann ein sadistischer Partner deine wunden Punkte sammeln wie andere Briefmarken. Er wartet auf den richtigen Moment – wenn du ohnehin am Boden bist – und dann erwähnt er beiläufig deine Fehlgeburt von letztem Jahr. "Ach, heute wäre ja der Geburtstermin gewesen, oder?"

Deine Schwester erzählt von ihrer Scheidung, die Tränen laufen. Er lehnt sich zu dir: "Lag wohl in der Familie, das mit den kaputten Beziehungen." Später, wenn du weinst, streicht er dir übers Haar: "Du bist so süß, wenn du verletzt bist." Das ist keine Entschuldigung. Das ist sein Geständnis.

Am Arbeitsplatz tritt Sadismus oft als versteckte Grausamkeit auf. Eine Kollegin lässt dich ins offene Messer laufen, nur um zu sehen, wie du blutest. Sie "vergisst" dir zu sagen, dass der Kunde extrem cholerisch ist. Während du am Telefon angeschrien wirst, lehnt sie in der Tür und beißt in ihren Apfel. Genüsslich.

Sadisten genießen es, andere leiden zu sehen – nicht als Nebeneffekt, sondern als Hauptattraktion.

Typische Warnzeichen

  • Witze, die gezielt deine Schwachstellen treffen – und sichtbar genossen werden.
  • Unnatürliche Ruhe, wenn andere in Panik sind.
  • Kleine "Unfälle", die sich um sie herum häufen.
  • Dieses Aufblitzen in den Augen, wenn jemand weint oder zusammenbricht.

Warum du Sadismus kennen solltest

Sadismus ist keine Krankheit und keine Diagnose. Es ist ein Persönlichkeitsstil – und Teil der sogenannten Dunklen Tetrade, die Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie um eine vierte, besonders gefährliche Dimension erweitert.

In Kombination mit den anderen Faktoren wird es zur perfekten Zerstörungsmaschine: Narzissmus liefert die Rechtfertigung, Psychopathie die Gefühlskälte, Machiavellismus den Plan – und Sadismus die Freude daran. Doch so wichtig es ist, diese Muster zu erkennen – die eigentliche Gefahr liegt nicht im anderen, sondern in dem, was es mit dir macht.

Mit jedem Mal, wenn du ihre Grausamkeit als "schlechten Tag" entschuldigst, mit jedem "So ist sie halt" verlierst du ein Stück deiner eigenen Würde.

Du fängst an, dich kleiner zu machen, unsichtbarer. Trägst nur noch Grau, damit sie keinen Angriffspunkt findet. Sprichst leiser, lachst weniger. Du denkst, wenn du nur harmlos genug bist, lässt sie dich in Ruhe. Aber für sie ist gerade deine Angst der Beweis ihrer Macht. Je mehr du dich duckst, desto mehr genießt sie es.

Die wirkliche Befreiung beginnt dort, wo du aufhörst, ihr Opfer zu sein. Wenn du erkennst, dass ihre Grausamkeit nichts mit dir zu tun hat, sondern alles mit ihrer inneren Leere, findest du deine Stärke zurück – und gehst.

Klare Grenzen, Innere Ruhe.
Das Coaching-Programm.

Tiefer eintauchen

Seit über 13 Jahren begleite ich Menschen dabei, sich aus toxischen Beziehungen zu befreien, gesündere Beziehungs-Entscheidungen zu treffen und wieder ganz zu sich selbst zu finden.

Meine Methode verbindet die effektivsten Ansätze aus Coaching, Persönlichkeitsentwicklung, buddhistischer und allgemeiner Psychotherapie, Taoismus, Stoizismus und Resilienzforschung.

Wenn du diesen Weg selbst gehen möchtest, freue ich mich darauf, dich kennenzulernen.

Andreas

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