Narzissmus: Was du wissen musst und wie du dich am besten schützt

Narzissmus und Partnerschaft

Narzissmus und Partnerschaft sind zwei Begriffe, die in unserer heutigen Zeit immer häufiger zusammen gehen. Mehr und mehr Menschen leben in einer toxischen Beziehung mit einem narzisstischen Partner und wissen nicht, wie sie diesem emotionalen Fegefeuer entkommen sollen. In diesem Artikel erfährst du alles, was du als Betroffene wissen musst, wenn du dich in einer Partnerschaft mit einem Narzissten befindest.

Ich werde hier aus Gründen der Lesbarkeit ausschließlich von DEM Narzissten sprechen. Diese Rollenverteilung trifft Untersuchungen zufolge auf ca. 75% der toxischen Beziehungen zu. Selbstverständlich gibt es diese Konstellation auch mit umgekehrten Rollen. Auch wenn sich weiblicher Narzissmus anders äußert, als die männliche Form. Aber das erfährst du ja alles in diesem Artikel.

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Schwesterartikel: Toxische Beziehung: Im Grunde lassen sich die Themen toxische Beziehung und Narzissmus nicht trennen. Um es für dich übersichtlicher zu gestalten, habe ich die beiden Themen auf zwei Artikel aufgeteilt und an allen relevanten Punkten miteinander verlinkt. Hier findest du den Schwesterartikel:

Ratgeber Toxische Beziehung


Inhaltsverzeichnis
 

Was ist Narzissmus?

Wenn wir uns mit Narzissmus und Partnerschaft beschäftigen sollten wir zunächst einmal festhalten: Es gibt nicht DEN Narzissten. Die Gewichtung zwischen narzisstischen und gesunden Anteilen ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Hinzu kommt, dass Narzissmus häufig gemeinsam mit anderen psychischen Störungen auftritt. Deshalb können sich verschiedene Symptome im Verhalten eines Narzissten vermischen.

Darüber hinaus spielt die Ausprägung des Narzissmus eine große Rolle. Neben all den individuellen Unterschieden gibt es jedoch viele gemeinsame Kriterien, die Narzissmus kennzeichnen. Hinzu kommt, dass es sich bei Narzissmus und Partnerschaft um ein Wechselspiel zwischen beiden Beteiligten handelt. Dabei bringt jeder seine eigenen Anteile mit ein. Hierdurch entsteht in jeder toxischen Beziehung eine individuelle Ausprägung der Symptome.

Der österreichische Psychiater Dr. Reinhard Haller*6 nennt die folgenden sehr einprägsamen 4-Es zur Beschreibung der Merkmale eines Narzissten. Leider sind nicht alle diese Merkmale auf den ersten Blick erkennbar, denn Narzissten verstehen es hervorragend, sich zu verstellen. Sie spiegeln deine Wünsche, Ängste und unerfüllten Bedürfnisse. Insbesondere in einer toxischen Beziehung.

  • Egozentrismus: Die Welt des Narzissten dreht sich nur um ihn. Der österreichische Psychiater, Neurowissenschaftler und systemische Psychotherapeut Dr. Raphael Maria Bonelli hat Narzissmus in einem seiner sehenswerten Videos*5 sehr treffend beschrieben: "Narzissmus ist einer Rohrkrepierer der Liebe. Narzissmus ist eine misslungene Liebe. Eine Liebe, die über sich selber nicht hinaus kommt und damit einen Menschen liebesunfähig macht.".
  • Empathielosigkeit: Die Empathielosigkeit ist eines der bezeichnendsten Merkmale für Narzissten. Für sie sind ihre Mitmenschen wie Schachfiguren, die sie nach belieben manipulieren, damit sie ihre Bedürfnisse von ihnen erfüllt bekommen. In den Schmerz, den sie diesen damit verursachen, können sie sich so gut wie nicht einfühlen. Obwohl sie gelernt haben, die Gefühle der Menschen in ihrem Umfeld sehr präzise zu lesen (kalte Empathie), empfinden sie nichts dabei. Sie sind emotionale nicht schwingungsfähig. 
  • Empfindsamkeit: Narzissten sind nahezu unfähig, die Kritik eines anderen zu ertragen. Deshalb sind sie extrem leicht kränkbar. Oft reicht es dafür schon, dass ihnen die Bewunderung, die sie für ihre eigene subjektive Großartigkeit einfordern, verwehrt bleibt. In diesem Zusammenhang können sie auch äußerst nachtragend sein und verzeihen eine durch einen anderen Menschen erfahrene Kränkung oft ein Leben lang nicht.
  • Entwertung: Narzissten entwerten ihre Mitmenschen. Besonders dann, wenn diese in einer engen Beziehung zu ihnen stehen und die Beziehung schon länger Bestand hat. Hierfür gibt es verschiedene Hintergründe. Einer davon hat mit Macht und Kontrolle und dem Erringen der übergeordneten Position in der Beziehung zu tun. Darüber hinaus fühlen sie sich aufgewertet, wenn sie andere abwerten. In einer toxischen Beziehung mit einem Narzissten findet die Phase der Entwertung nach dem klassischen Love Bombing der ersten Phase einer toxischen Beziehung statt, in der die Partnerin oder der Partner abhängig von der narzisstischen Bewunderung und Wertschätzung durch den Partner gemacht wird. Daher wirkt die Entwertung doppelt schwer und veranlasst die Betroffenen häufig, alles zu tun, um die Gunst des toxischen Partners zurückzugewinnen. Deshalb zählt die Entwertung auch zu den typischen narzisstischen Manipulationstechniken und sie funktioniert erschreckend gut.

Der Mythos vom selbstverliebten Jüngling Narziss und der verschmähten Nymphe Echo

Mythos von Narziss

Die Zusammenhänge zwischen Narzissmus und Partnerschaft werden schon im alten Narziss-Mythos deutlich. Er wird in vielen Versionen erzählt, die sich alle um denselben Kern drehen, jedoch in einigen Details voneinander abweichen. Wenn man sich die psychologischen Eigenschaften des Narzissmus wie wir ihn heute definieren, bewusst macht, wird schnell die Weisheit und präzise Beobachtungsgabe der alten Dichter deutlich, die sich in dem Mythos niederschlägt.

Narziss ist das Ergebnis einer Vergewaltigung, die der Flussgott Kephissos an der Wassernymphe Leirope begeht. Von Anfang an ist Narziss von außergewöhnlicher Schönheit und schart ungezählte Verehrer und Verehrerinnen um sich, die alle um ihn werben.

Doch für Narziss ist niemand gut genug. Egal, wer sich ihm anbietet, sie alle werden barsch von ihm zurückgewiesen.

Für dieses Verhalten wird er von der Göttin Nemesis mit unstillbarer Selbstliebe (präziser wäre: Selbstsucht) gestraft. Da er ohnehin unfähig war, jemand anderen zu lieben, sollte er fortan vor Verlangen nach sich selbst vergehen.

Die Schmach der Zurückweisung wurde auch der Bergnymphe Echo zuteil, die sich unter anderem dadurch auszeichnete, dass sie nicht mehr eigenständig sprechen sondern lediglich wiederholen konnte, was andere sagten.

Diese Strafe erhielt sie von der Göttin Hera dafür, dass sie diese im Auftrag ihres Gatten Zeus mit Geschichten ablenkte, um diesem Zeit zu verschaffen, sich auf der Erde seinen sexuellen Ausschweifungen hinzugeben und seine Frau Hera zu betrügen.

Als Narziss sich eines Tages müde von der Jagd an einem Weiher niederlässt, um zu trinken, erblickt er im Wasser sein Spiegelbild und verfällt ihm. Tag und Nacht verbringt er von nun an damit, sein Spiegelbild auf der Oberfläche zu lieben und verfällt in tiefe Trauer darüber, dass der Geliebte im Wasser nicht antwortet. Er ertrinkt bei dem Versuch, sein Spiegelbild zu umarmen. Dort, wo er einst saß, wächst seither eine wunderschöne Narzisse.

Besonders interessant ist dabei, dass Narziss nicht sich selbst liebt sondern sein Spiegelbild, also das Bild, das er von sich selbst hat. Er ist unfähig, eine Verbindung zwischen sich und seinem Bild herzustellen. So ist auch der Narzisst nicht verliebt in sich selbst sondern er ist süchtig nach dem falschen und überhöhten Bild von sich selbst, das er sich macht und auf das er reagiert.

Geschichte des Narziss in der Version von Oscar Wilde

Besonders gut gefällt mir die Version der Geschichte des Narziss von Oscar Wilde. Er verstand es wie kaum ein anderer, seinen Geschichten eine unerwartete Wendung zu geben und sie aus bisher unbeachteten Blickwinkeln zu betrachten. So auch hier. Darüber hinaus greift seine Version besser als jede andere das für den Narzissmus so typische Spiegel-Thema auf und deutet an, dass narzisstische Anteile in jedem von uns vorhanden sind.

Auszug der Geschichte des Narziss von Oscar Wilde

Als Narziß starb, verwandelte sich die Quelle seiner Freuden von einer Schale voll süßen Wassers in eine Schale voll salziger Tränen, und die Bergnymphen kamen weinend durch den Wald, dass sie zur Quelle singen und dieser Trost geben konnten. 

Und als sie sahen, daß die Quelle von einer Schale voll süßen Wassers sich in eine Schale voll salzige Tränen verwandelt hatte, da lösten sie die grünen Flechten ihres Haares und sprachen weinend zur Quelle: "Wir wundern uns nicht, das du auf diese Weise um Narziss trauerst, so schön war er."

"War Narziß denn schön?" fragte die Quelle.

"Wer sollte das besser wissen als du?" antworteten die Bergnymphen. "An uns ging er immer vorbei, dich aber suchte er auf und lag an deinen Ufern und sah auf dich hinab, und im Spiegel deiner Wasser spiegelte er seine eigene Schönheit."

Und die Quelle antwortete: "Aber ich liebte Narziß, weil, wie er an meinem Ufer lag und auf mich niederblickte, ich im Spiegel seiner Augen stets meine eigene Schönheit sah."

Freud: aktueller denn je!

Der Begriff "Narzissmus" wurde um die Jahrhundertwende von Paul Näcke in die psychiatrische Diskussion eingeführt. Kurz vor ihm hatte der britische Sexualforscher Henry Havelock Ellis eine Sexualstörung beschrieben, bei der die Betroffenen ausschließlich sexuellen Gefallen an sich selbst finden.

Sigmund Freud schrieb 1914 in seiner "Einführung des Narzissmus":

"Man liebt nach dem narzisstischen Typus (a) was man selbst ist (sich selbst); (b) was man selbst war; (c) was man selbst sein möchte; (d) die Person, die ein Teil des eigenen Selbst war."

Das bedeutet, dass alles, was in irgendeiner Weise mit dem eigenen Ich zu tun hat, vom Narzissten verzerrt wahrgenommen und in libidinöser Weise aufgeladen wird. Er ist süchtig nach sich selbst. Das zeigt bereits, dass wenn es um Narzissmus und Partnerschaft geht, ein Narzisst nicht in der Lage ist, den anderen zu sehen.

Führt man das mit dem zusammen, was Ellis beschrieben hat, dann könnte man sagen, die Libido des Narzissten gleicht einem Bumerang. Sie findet nicht den Weg zu einem Gegenüber sondern macht vorher kehrt und wird auf den Narzissten selbst zurückgeworfen.

So ist er nicht in der Lage, etwas außerhalb seiner selbst zu lieben, während er alles, was mit ihm selbst zu tun hat, überhöht und künstlich aufbläht. Damit ihm dies gelingt, wehrt er alles ab, was seinem übertriebenen Selbstbild, nach dem er so süchtig ist, zuwider laufen könnte.

Narzisstische Zufuhr

Sprechen wir über Narzissmus und Partnerschaft, dann kommen wir um den Begriff der narzisstischen Zufuhr nicht herum. Als Narzisstische Zufuhr bezeichnet man jede Art von Energiefluss in Form von Aufmerksamkeit von einem anderen Menschen hin zum Narzissten.

Obwohl Narzissten sich betont unabhängig geben und meinen, niemanden zu brauchen, sind sie doch vollkommen abhängig von ihrer narzisstischen Zufuhr. Darin ähneln sie Suchtkranken und Narzissmus kann auch als Selbstsucht beschrieben werden. Jemand ist süchtig, nach sich selbst.

Bewunderung ist dabei für die Betroffenen die angenehmste Form narzisstischer Zufuhr. Man kann einen Narzissten nicht genug bewundern. Es geht einfach nicht. Ist diese Bewunderung jedoch nicht verfügbar, wird sich ein Betroffener mit anderen Formen der narzisstischen Zufuhr versorgen.

Hierzu gehört jede Form von Emotionen, die der Narzisst in seinem Gegenüber auslöst. Er braucht es, dass andere Menschen auf sie reagieren. Wenn sie dies nicht in positiver Art und Weise tun, dann notfalls in negativer.

So bezieht ein Betroffener ebenso seine narzisstische Zufuhr daraus, wenn er beobachtet, wie er einen anderen Menschen manipulieren, fertigmachen, ärgern oder einschüchtern kann. In jedem Fall fließt Energie von den Mitmenschen hin zum Narzissten. Auf diese permanenten Energiezufuhr ist er angewiesen und wird alles tun, damit der Energiefluss nicht zum Erliegen kommt.

Hier liegt ein interessantes Paradoxon der Narzisstischen Persönlichkeitsstörung (NPS); obwohl andere für Narzissten mehr Objekte oder Schachfiguren als fühlende Wesen sind und er versucht, sich so wenig wie möglich an einen einzelnen Menschen zu binden, braucht er sie - besonders wenn er mit ihnen in einer toxischen Beziehung steht - mindestens genauso sehr, wie sie meinen, ihn zu brauchen.

Hier liegt auch ein Grund, warum er sich nach einem Discard früher oder später wieder melden wird, wenn ihm die narzisstische Zufuhr fehlt, die er einst von dieser Person erhalten hat. Bei Narzissmus und Partnerschaft dreht sich für den Narzissten also viel um die Partnerin als Zufuhrquelle.

Neben der Energie, die direkt von anderen Menschen zum Narzissten fließt, dienen ihm auch noch andere Quellen. So kann er narzisstische Zufuhr auch aus der Bestätigung erhalten, die ihm sein Erfolg im Job, sein volles Bankkonto oder der schicke Sportwagen bieten. Die beliebteste Zufuhrquelle sind jedoch seine Mitmenschen, worunter seine Partnerin in einer toxischen Beziehung eine besondere Stellung einnimmt.

Obwohl er sie meistens wie Dreck behandelt, weil er die narzisstische Zufuhr, die von ihr kommt, für selbstverständlich hält, macht es ihn völlig fertig, wenn diese gewohnte und sicher geglaubte Zufuhrquelle plötzlich wegfällt.

Das gilt umso mehr, wenn er nicht die Kontrolle darüber hat sondern sich seine Partnerin proaktiv von ihm getrennt hat, weil sie es mit seinen Eskapaden nicht mehr ausgehalten hat. Dann wird er versuchen, sie mittels Hoovering schnellstmöglich in die toxische Beziehung zurückzusaugen, um wieder seine gewohnte narzisstische Zufuhr von ihr zu erhalten.

Narzisstische Kränkung und narzisstische Wut

Nicht nur für Narzissmus und Partnerschaft gilt: Narzissten sind extrem leicht kränkbar. Dazu braucht es oft nicht einmal ausgesprochene Kritik. Viele sind so empfindsam, dass sie sich schon zutiefst gekränkt fühlen, wenn sie der Meinung sind, jemand hätte sie nicht angemessen bewundert und hofiert. So können sie beispielsweise ausrasten, wenn sie finden, dass sie in einem Restaurant nicht schnell genug bedient wurden.

Da ein Narzisst sich selbst in seiner Wahrnehmung überhöht und sich damit über alle anderen stellt, entwickelt er eine enorme Anspruchshaltung. Er meint, alles Gute stehe ihm zu, ohne dass er etwas dafür tun müsste.

Wird ihm dies dann vorenthalten, so kommt dies für ihn einer narzisstischen Kränkung gleich, auf die er mit enormer narzisstischer Wut schon angesichts nichtiger Anlässe reagieren kann.

Narzisstische Wut

Als narzisstische Kränkung kann dabei alles dienen, was nicht zu seinem grandiosen Selbstbild passt oder dieses gefährdet. Dabei muss die narzisstische Kränkung nicht zwingend von anderen Menschen ausgehen.

Fast noch gefährlicher ist eine narzisstische Kränkung für die Betroffenen, wenn sie feststellen müssen, dass sie selbst nicht ihrem grandiosen Selbstbild gerecht werden. Das kann beispielsweise geschehen, wenn sie in einem Wettbewerb schlecht abschneiden oder eine Fehlleistung bringen, für die sie ausnahmsweise mal niemand anderen und auch keine widrigen Umstände verantwortlich machen können.

Da normalerweise für Narzissten klar ist, dass immer die anderen Schuld sind, weil sie in ihrer Grandiosität nichts falsch machen können, ist dies die gewohnte Form ihrer Abwehr gegen eine narzisstische Kränkung. Dann projizieren sie ihre narzisstische Wut auf einen anderen Menschen, den sie als den Schuldigen auserkoren haben oder notfalls auf äußere Umstände.

Manchmal geht das jedoch beim besten Willen nicht. Dann steckt der Narzisst in ernsthaften Schwierigkeit, denn es besteht die Gefahr, dass sein überhöhtes Selbstbild bröckelt. Dies geschieht beispielsweise auch, wenn Narzissten altern und erleben, dass auch sie dem Verfall der Zeit unterworfen sind.

Eine schwere narzisstische Kränkung, die nicht auf andere Menschen oder äußere Umstände abgewälzt werden kann, führt bei einer schweren narzisstischen Persönlichkeitsstörung (NPS) nicht selten zum Melt Down, zur Kernschmelze des überhöhten Selbstbildes, was für die Betroffenen so unerträglich sein kann, dass sie als letzten Ausweg den Suizid wählen.

Hier wird auch deutlich, warum sie bereits auf kleinste Kränkungen mit heftigster narzisstischer Wut als Abwehrreaktion antworten. Es hat nicht nur den Zweck, das Gegenüber einzuschüchtern und zu unterwerfen sondern versucht verzweifelt jeden möglichen Schaden vom Bild der eigenen Grandiosität aufs Heftigste abzuwehren, weil dies für die Betroffenen kaum zu ertragen wäre. Das kann in der Partnerschaft mit einem Narzissten einigen Sprengstoff liefern.

Die Narzisstische Persönlichkeitsstörung (NPS)

Das DSM-V (Diagnostical and Statistical Manual für Mental Disorders), der amerikanische Diagnoseschlüssel für psychiatrische Erkrankungen gibt klare Kriterien vor, ab wann ein Mensch als pathologischer Narzisst gilt bzw. an einer Narzisstischen Persönlichkeitsstörung leidet. Ergänzend zu den unten aufgeführten Punkten kannst du auch die Informationen zu den so genannten Cluster-B-Persönlichkeitsstörungen mit einbeziehen.

Zwar wird allgemein gerne behauptet, Narzissten würden nicht unter ihrer Störung leiden, doch das stimmt in der Praxis einfach nicht. Narzissten fehlt zwar meist jegliche Krankheitseinsicht, da sie selten bereit oder fähig zur Selbstreflexion sind und die Idee, dass sie selbst das Problem sein könnten, sich auch sonst mit ihren typischen Denkweisen beißt.

Doch Narzissten leiden sehr wohl. Beispielsweise an den ablehnenden Reaktionen ihres Umfeldes, wenn es von ihrem narzisstischen Verhalten genug hat. Sie leiden, wenn andere sie nicht ihrem Anspruch nach angemessen behandeln oder würdigen. Am meisten jedoch leiden sie, wenn sie auch vor sich selbst ihr künstlich überhöhtes Selbstbild nicht aufrechterhalten können, weil sie zu hart auf dem Boden der Realität aufgeschlagen sind. Dann kommt es zum so genannten Melt Down, der Kernschmelze ihres falschen Selbstbildes.

Die Folge ist nicht selten der Suizid. Etwa jeder zehnte Mensch mit einer diagnostizierten Narzisstischen Persönlichkeitsstörung begeht im Laufe seines Lebens Selbstmord. Damit belegt die Narzisstische Persönlichkeitsstörung (NPS) den traurigen Spitzenplatz unter den Persönlichkeitsstörungen.

Kennzeichen der Narzisstischen Persönlichkeitsstörung (NPS)

Obwohl Narzissten in der Regel oberflächlich sehr selbstbewusst wirken (Ausnahme sind manchmal verdeckte Narzissten), ist ihr gesamtes Selbstbild im Kern auf Sand gebaut und permanent einsturzgefährdet. Narzissten gehören zu den selbstunsichersten Personen überhaupt. Deshalb sind sie auch permanent auf der Suche nach narzisstischen Zufuhrquellen.

Das klingt zunächst paradox aufgrund der typisch narzisstischen Verhaltensweisen und des oft charismatisch-autoritär-selbstbewussten Auftretens vieler Narzissten. Wenn du dir jedoch bewusst machst, dass ein Narzisst in seinem Kern ein so instabiles Selbstbild hat, dass er sich nicht mal traut, dieses selbst anzuschauen und deshalb komplett überkompensiert, indem er sich in Phantasien über die eigene Großartigkeit versteigt, wird der Zusammenhang vielleicht etwas klarer. Narzissten sind so gute Schauspieler, dass sie selbst die meiste Zeit nicht mal merken, dass sie sich etwas vormachen.

Aus diesem Zusammenhang ergeben sich auch ganz automatisch viele der unten aufgeführten Erscheinungsformen narzisstischen Verhaltens.

Diagnosekriterien

Laut der DSM-V muss eine Person ein anhaltendes Muster von Grandiosität, Bewunderung und mangelndem Mitgefühl aufweisen, um eine Narzisstische Persönlichkeitsstörung diagnostizieren zu können. Dieses Muster wird durch fünf oder mehr der folgenden Kriterien identifiziert:

  • Ein übertriebenes, unbegründetes Gefühl der eigenen Bedeutung und Talente (Grandiosität)
  • Die Beschäftigung mit Phantasien von unbegrenzten Erfolgen, Einfluss, Macht, Intelligenz, Schönheit oder der vollkommenen Liebe
  • Der Glaube, dass sie speziell und einzigartig sind und sich nur mit den Menschen auf höchstem Niveau verbinden sollten
  • Der Wunsch, bedingungslos bewundert zu werden
  • Ein Gefühl des Anspruchs
  • Ausnutzung anderer, um ihre eigenen Ziele zu erreichen
  • Mangel an Empathie
  • Neid auf andere und der Glaube, dass andere sie beneiden
  • Überheblichkeit

Zusätzlich müssen die Symptome im frühen Erwachsenenalter begonnen haben.

Lass mich dazu noch anmerken, dass diese Kriterien vor allem bei den klassisch offensiven und meist eher männlichen Narzissten häufig leicht erkennbar und die Störung daher relativ leicht zu diagnostizieren ist. Im Praxisalltag und besonders als Partnerin eines Narzissten kann es deutlich schwerer sein, sich ein klares Bild zu machen, was nicht zuletzt an den perfiden Manipulationsmethoden von Narzissten liegt, die meist ohnehin jegliche Schuld von sich weisen und Meister darin sind, ihrer empathischen Partnerin weiß zu machen, sie sei das eigentliche Problem.

Leider liegt es in der Natur einer Empathin, sich aufgrund ihrer überbordenden Selbstreflexion diesen Schuh allzu bereitwillig anzuziehen. Die damit verbundenen Selbstzweifel und das fehlende Vertrauen in die eigene Wahrnehmung werden durch den toxischen Partner massiv verstärkt.

Bei verdecktem Narzissmus bzw. typischen weiblichen Narzissten sind die oben angeführten Diagnosekriterien oft kaum direkt zu erkennen. Die einzige Ausnahme, die mir bisher begegnet ist, waren weibliche Narzissten in einem männlich dominierten beruflichen Umfeld, die ein so offensiven narzisstisches Verhalten an den Tag legten, dass sie die meisten männlichen Narzissten in den Schatten stellten.

Wenn man die Hintergründe der Narzisstischen Persönlichkeitsstörung (NPS) kennt, ist dies jedoch nicht so verwunderlich. Da ausgeprägte Narzissten es kaum ertragen können, wenn jemand anderes besser ist, als sie oder eine höhere Stellung bekleidet, kann dies schon mal zu extremen Verhaltensweisen führen.

Hinzu kommt noch, dass bestimmte Punkte wie beispielsweise die fehlende Kritikfähigkeit, in der Liste überhaupt nicht erwähnt sind.

In der klinischen Psychologie bzw. Psychiatrie wird häufig das Narcissistic Personality Inventory (NPI-15) verwendet. Dabei handelt es sich um einen sehr fundierten Fragebogen zur Selbsteinschätzung, der stichhaltige Hinweise auf das Vorhandensein einer Narzisstischen Persönlichkeitsstörung (NPS) liefert und sich in der Praxis sehr bewährt hat. Die englische Version dieses Tests findest du hier.

Nie wieder toxische Beziehungen

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Wird Narzissmus im Alter besser oder schlimmer?

Alternde Narzissten

Das ist pauschal nicht zu beantworten. Man kann jedoch sagen, dass es vielen Narzissten im Alter schlechter geht. Das erklärt sich aus der Störung selbst, da es mit den Einschränkungen, die das Alter natürlicherweise mit sich bringt, immer schwieriger wird, das eigene grandiose Selbstbild aufrechtzuerhalten. Je weiter ein Narzisst körperlich abbaut, desto mehr bröckelt sein überhöhtes Selbstbild.

Er wird immer häufiger feststellen, dass er in einigen Bereichen mit den Jüngeren nicht mehr mithalten kann. Auch seine Attraktivität auf das andere Geschlecht lässt meist im Alter nach. Das alles kommt einer ausgeprägten narzisstischen Kränkung gleich.

Hinzu kommt noch, dass ein Narzisst im Laufe seines Lebens immer mehr Erlebnisse sammelt, bei denen er mit seinen antisozialen Verhaltensweisen bei anderen aneckt, die sich weigern, ihn in seinem Empfinden der eigenen Großartigkeit zu bestätigen.

Manche kommen dann in eine narzisstische Krise, die sie ein Stück weit öffnet und in einem gewissen Rahmen für eigene Entwicklung zugänglicher macht. Die Mehrheit rutscht jedoch immer weiter ab. So haben Narzissten ein enorm erhöhtes Suchtrisiko. Sie versuchen dadurch, die emotionalen Folgen ihres bröckelnden Selbstbildes abzupuffern. Mit entsprechenden Folgen.

Viele Narzissten enden in einer schweren Depression, aus der sie kaum wieder herauskommen. Besonders dann, wenn sie selbst nicht mehr an ihre eigene Großartigkeit glauben können. Das kann bis zum Melt Down, der Kernschmelze ihres überhöhten Selbstbildes führen. Viele wissen sich dann nicht anders zu helfen, als ihrem Leben selbst ein Ende zu setzen.

Die traurige Wahrheit ist, dass der Narzissmus mit etwa 15 Prozent die mit Abstand höchste Suizidrate aller klinischer Persönlichkeitsstörungen aufweist. Daran kannst du auch erkennen, wie verzweifelt ein Narzisst auf das Empfinden seiner eigenen Grandiosität angewiesen ist. Vielen scheint es leichter zu sein, aus dem Leben zu scheiden, als sich selbst auf ein menschliches Normalmaß zu beschränken.

Wo hört Egoismus auf und fängt Narzissmus an?

Einen gewissen Egoismus legen die meisten von uns in der ein oder anderen Situation an den Tag. Daran ist im Grunde auch nichts verkehrt. Er hilft uns, für unsere Bedürfnisse einzustehen und uns zur Not auch mal durchzusetzen. Auch hier gibt es natürlich wieder verschiedene Grade. Dennoch wäre es falsch, Narzissten einfach als sehr ausgeprägte Egoisten zu bezeichnen, denn bei der Persönlichkeitsstörung Narzissmus gibt es einige wesentliche Unterschiede zu einfach nur sehr egoistischen Menschen.

Am deutlichsten werden die Unterschiede beim Umgang mit Kritik. Egoisten sind Menschen mit einem hohen Maß an Selbstbewusstsein. Sie nehmen sich wichtig. Andere Menschen sind ihnen mehr oder weniger egal. Ganz anders beim Narzissten. Er verhält sich zwar so, als wären ihm die anderen egal - ganz besonders deren Gefühle, auf denen er nur allzu gern herumtrampelt - doch ist er im Gegensatz zum Egoisten auf die permanente Zufuhr der Bewunderung anderer angewiesen.

Durch sein überhöhtes Selbstbild und seine ausgeprägte Anspruchshaltung sowie die Phantasien über seine eigene Grandiosität ist er Kritik gegenüber extrem empfindlich und trägt sie dem Kritiker oft jahrelang nach. Gefährliche Narzissten verspüren nach einer entsprechenden Kritik eventuell sogar das starke Verlangen, den Kritiker zu zerstören. Einem Egoisten ist die Kritik der anderen weitestgehend egal. Er reagiert zwar in der Regel auch nicht besonders positiv darauf, ist aber eher davon gelangweilt als zutiefst gekränkt.

Auch in ihrem Zugang zu anderen Menschen unterscheiden sich Narzissten und Egoisten. Während Narzissten tief in der sozialen Entfremdung stecken und nicht in der Lage sind, eine echte Ich-Du-Beziehung auf Augenhöhe zu führen und ihre Mitmenschen eher instrumentalisieren sind Egoisten durchaus beziehungsfähig. Ihnen fehlt im Gegensatz zu Narzissten meist auch nicht die Empathie mit anderen. Sie geben nur ihren eigenen Bedürfnissen meist den Vorrang vor denen des anderen.

Krank oder einfach nur böse?

Das ist letztendlich eine eher philosophische Frage, die mit vielen moralischen Urteilen einhergeht. Klinisch gesehen handelt es sich bei Narzissmus um ein klar beschriebenes psychisches Krankheitsbild, das wiederum in seinen Auswirkungen auf andere Menschen bösartige Folgen hat. Narzissten sind hochgradig fremdschädigend.

Meiner persönlichen Meinung nach bringt es ebenso wenig, Narzissten zu verteufeln und ihnen reine Mutwilligkeit bei all ihren destruktiven Handlungen zu unterstellen, wie die Tatsache, dass es sich dabei um eine psychische Störung handelt als Rechtfertigung für ihre Taten zu sehen und diese damit womöglich noch zu entschuldigen.

Ersteres führt dazu, dass die Handlungen des Narzissten allzu persönlich genommen werden und damit noch schädigender wirken. Letzteres ist besonders für Co-Narzissten gefährlich, da bei ihnen ohnehin die Neigung entsteht, das schädigende Verhalten des Narzissten herunterzuspielen oder zu entschuldigen und somit erneut das eigene Leid aus dem Blick zu verlieren.

Meltdown: Was passiert beim Zusammenbruch des grandiosen Selbstbildes?

Beim Meltdown kommt es zum vollständigen Zusammenbruch des narzisstisch überhöhten Selbstbildes. Der Weg in den Meltdown kann lang sein, wie beispielsweise im Falle einer schweren Krankheit, die den Narzissten nach und nach immer weiter einschränkt und ihm die Säulen nimmt, auf die er bisher das Empfindens seiner eigenen Grandiosität gebaut hat. Den gleichen Effekt hat oft das Altern auf einen Narzissten.

Er kann aber auch kurz sein und durch ein Einmal-Ereignis ausgelöst werden. Dabei kann es sich um einen schweren Verlust handeln. Ein Unfall, der seine Welt erschüttert, eine erschütternde Niederlage, etwas unglaublich Peinliches, oder dergleichen.  Im Grunde kann jede narzisstische Kränkung, wenn sie nur stark genug ist und es dem Narzissten unmöglich macht, weiterhin an seinem überhöhten Selbstbild festzuhalten, einen Meltdown auslösen.

Narzissmus - Meltdown

Dann stürzt der Narzisst in eine tiefe Krise, die sich oft wie ein Fall ins Bodenlose ausnimmt. Viele stürzen dann in die Sucht (Alkohol, Drogen, Essen, Shoppen) und haben eine ausgeprägte Verwahrlosungstendenz. Der Mittelpunkt ihres Selbstverständnisses ist ihnen weggebrochen, sie sacken förmlich in sich zusammen.

Bei vielen ist die Not so groß, dass sie sich das Leben nehmen. Manche - besonders solche mit ausgeprägt bösartigen Wesenszügen - sammeln nochmal ihre letzten Kräfte, um in einem letzten Akt der Welt noch einmal zu demonstrieren, wie überlegen sie sind und wie sehr im Recht. Das sind dann häufig die Familientragödien, von denen wir in den Nachrichten hören. "Familienvater ersticht seine Frau nachdem diese sich getrennt hatte."

Zum Glück ist das die Ausnahme und nicht die Regel. Aber die Trennung von einem Narzissten ist dennoch nichts, das man auf die leichte Schulter nehmen sollte. Sie will gut geplant und vorbereitet sein. Hier ist es sinnvoll, einen Profi an deiner Seite zu haben, der dich in dieser außerordentlich belastenden Phase unterstützt.

Wie entsteht Narzissmus?

Auch beim Narzissmus ging man wie bei vielen anderen psychiatrischen Störungen lange Zeit von einer genetischen Veranlagung (Disposition) aus. Viel ausschlaggebender für die Entstehung von Narzissmus scheinen allerdings bestimmte Bedingungen in der Ursprungsfamilie, besonders in der Mutterbindung, die zur Ausbildung einer Narzisstischen Persönlichkeitsstörung (NPS) führen können. Narzissten werden gemacht.

Die gängigsten Theorien über die Entstehung von Narzissmus kommen aus dem Bereich der Psychodynamik (siehe unten: 1. Die narzisstische Mutter und 2. Fehlende Spiegelung des Kindes). Dabei unterscheidet man verschiedene familiäre Millieus, welche die Entstehung von Narzissmus beim Kind begünstigen. Hierzu zählt es auch, das Kind zum Star der Familie zu machen und über alle Maßen zu behüten und zu verhätscheln, was nachgewiesenermaßen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit einhergeht, dass das Kind später ausgeprägte narzisstische Charakterzüge aufweist.

Darüber hinaus gibt es einige hoch interessante und hervorragend validierte Studien von Eddie Brummelmann*8 (Ja, der heißt wirklich so), die eindeutig nachweisen konnten, dass ein Erziehungsstil, bei dem das Kind über ein gesundes Maß hinaus überschätzt und überhöht wird, mit einer ausgeprägten Wahrscheinlichkeit einher geht, dass dieses Kind später narzisstische Züge oder sogar eine ausgeprägte Narzisstische Persönlichkeitsstörung (NPS) entwickelt.

1. Die narzisstische Mutter

Narzissmus Entstehung - Narzisstische Mutter

Es gilt allgemein als anerkannt, dass die Mutter ihr Kind anders prägt, als der Vater. Beide sind selbstverständlich gleichermaßen wichtig, ihnen kommen jedoch bei der Identitätsbildung und Entwicklung des Kindes unterschiedliche Rollen zu. Hinzu kommt, dass sich weiblicher Narzissmus meist anders äußert, als bei Männern.

Deshalb macht es für das Gedeihen eines Kindes auch einen großen Unterschied, ob es mit einem narzisstischen Vater oder einer narzisstischen Mutter aufgewachsen ist. Zusätzlich spielt das Geschlecht des Kindes dabei eine Rolle. Ein Junge wird durch einen narzisstischen Vater anders geprägt, als ein Mädchen. Für die Mutter gilt dasselbe.

>>> Lies hierzu auch meine Artikelserie über Elternkomplexe

Hier möchte ich mich ganz auf die Rolle der narzisstischen Mutter bei der Entstehung einer späteren Narzisstischen Persönlichkeitsstörung (NPS) des Kindes konzentrieren, denn sie hat nach aktuellem Kenntnisstand das meiste Gewicht, wenn es um die Wahrscheinlichkeit geht, ob das Kind später auch an einer Narzisstischen Persönlichkeitsstörung leidet.

Die narzisstische Mutter nimmt ihr Kind nicht als eigenständiges Individuum wahr sondern empfindet es - und das ist typisch für Narzissmus - als eine Art natürliche Verlängerung ihrer selbst. Sie erlebt das Kind als Teil von sich. Das mag am Anfang noch in Form einer halbwegs gesunden Symbiose zwischen Säugling und Mutter geschehen, wie sie für die Entwicklung eines Kindes in den ersten Lebensmonaten förderlich ist. Später lässt sich diese Art der Beziehung jedoch nicht mehr aufrechterhalten, doch genau damit hat die narzisstische Mutter ein riesen Problem.

Sie reagieren bereits auf geringe Bestrebungen des Kindes in Richtung Autonomie mit Unverständnis und narzisstischer Wut. Jede Form von Eigenständigkeit des Kindes empfinden sie als Kränkung. Sie tun alles, um diese Strebungen des Kindes - auch wenn es später erwachsen ist - zu unterdrücken.

Dazu nutzen sie nicht nur Wut sondern bestrafen dieses Eigenständigkeitsstreben bei ihrem Kind mit induzierten Schuldgefühlen oder versuchen das Kind früh auf eine durch sie vorgegebene Identität festzulegen (manipulative Identitätszuschreibung). Diese und viele weitere Strategien sollen verhindern, dass das Kind eine eigenständige Identität ausbildet. Damit verletzen sie unter anderem das Beziehungsbedürfnis nach Einmaligkeit ihrer Kinder nachhaltig und meist irreparabel.

Das Kind darf nur in Bezug auf die Mutter existieren, nicht für sich allein. Hierzu hört es im Laufe seines Lebens ungezählte Double Bind Botschaften, die zu einem Identitätsdilemma führen: "Ich bin nur dann ich selbst, wenn ich nach dem Bild der Mutter bin, wenn ich aber so bin, wie ich mich fühle, bin ich nicht ich selbst."*7

Dies macht es dem Kind weitestgehend unmöglich, eine stabile eigene Identität auszubilden. Jede Form der Abweichung vom symbiotischen Idealbild, das die Mutter vorgibt, wird bestraft und das Kind für eigenständiges Verhalten entwertet. Da die Mutter das Kind als Erweiterung ihres Selbst sieht, projiziert sie meist auch ihr ideales Selbst (Freud) auf das Kind.

Es muss dann all das erfüllen, was sie selbst in ihrem Leben nicht vollbracht hat, um somit als natürliche Verlängerung der Mutter deren überhöhtes Selbstbild zu stützen und zu nähren. Auch dies ist eine Form narzisstischer Zufuhr. Vielleicht hast du im Fernsehen schon mal einen Bericht über die teilweise grotesken Mini-Misswahlen in anderen Ländern gesehen, in denen Mütter ihre kleinen oft nicht mal 8 Jahre alten Prinzessinnen instrumentalisieren, in hübsche Kleidchen stecken, anmalen wie eine Hafendirne und von einer Bühne zur nächsten schleifen.

Dabei siehst du dieses Muster in Aktion. Die fragwürdigen Erfolge der Tochter beansprucht die Mutter hier für sich und nutzt sie als Nahrung für ihr eigenes Selbstbild, da sie die Tochter als nicht von sich getrennt wahrnimmt.

Aber wehe, die Kleine zeigt sich mal müde oder zickig und spielt nicht mit. Dann wird die gesamte Bandbreite narzisstischer Manipulationstechniken über ihr ausgeschüttet, insbesondere induzierte Schuldgefühle. "Ich will doch nur dein Bestes. Ist das der Dank dafür. Du glaubst gar nicht, was mich deine Misswahlen bisher gekostet haben und du bist so undankbar. Ich kann nicht glauben, dass du mir das antust."

Ähnlich verhält es sich natürlich mit den Erfolgen des Sohnes, seien es sein gutes Aussehen, seine überragenden schulischen Leistungen, seine erotischen Eroberungen oder dergleichen. In einem solchen Umfeld kann ein Kind kein stabiles Ich-Gefühl und keine autonome Identität aufbauen. Es lernt, sich selbst nur über andere wahrzunehmen, denn wo die Trennungslinie zwischen Ich und Nicht-Ich verläuft, hatten diese Kinder keine Chance zu lernen. Das ist auch der Grund, warum Narzissten so sehr auf narzisstische Zufuhr angewiesen sind und mit Kritik überhaupt nicht umgehen können.

Es dürfte auch klar sein, dass die Themen Liebe und intime Beziehungen für ein Kind, das unter dem Einfluss einer solchen Mutter aufgewachsen ist, extrem ambivalent und negativ besetzt sind. Da das Kind auf diese Weise auch kein echtes Gewissen (Über-Ich, Freud) ausbilden kann, liegt auf der Hand. All dies führt dazu, dass ein Narzisst zwar den Wunsch verspüren kann, eine langfristige Beziehung einzugehen, doch hat er nie die nötige Ausstattung erhalten, um dies auch in der Praxis umzusetzen.

Und er kann es auch nicht mehr voll umfänglich nachholen, denn was wir in bestimmten Entwicklungs- und Reifungsphasen nicht lernen, können wir in unserem späteren Leben meist nicht mehr in gleicher Weise nachholen. Das zeigt die Neurowissenschaft. So wird beispielsweise ein Kind, das bilingual aufgewachsen ist, Sprache sein Leben lang auf eine andere Art im Gehirn verarbeiten, als ein Kind, das erst in der Schule eine zweite Sprache lernt (nicht als Appell zur übertriebenen Frühförderung gemeint).

2. Fehlende Spiegelung des Kindes

Die andere Variante ist das völlige Fehlen passender Bezugspersonen für das Kind, die ihm ermöglichen würden, ein stabiles Selbst auszubilden. Das Kind hat es dann nie erfahren, in seinen Beziehungsbedürfnissen wahrgenommen, bestätigt und gespiegelt zu werden und musste sein Selbst sozusagen aus sich selbst heraus entwickeln. Wie ein emotionales Perpetuum mobile.

Das führt auch dazu, dass das Kind nicht lernt, seine Emotionen auf eine angemessene Weise zu regulieren. Hierfür braucht es nach Erkenntnissen der Entwicklungsforschung nämlich einen Erwachsenen, der dem Kind sein voll ausgebildetes Nervensystem sozusagen zur Verfügung stellt, um sich darin in seinen eigenen Emotionen zu spiegeln.

Fehlt diese Spiegelung, fallen wesentliche Feedbackschleifen in der gesunden kindlichen Entwicklung weg, mit fatalen psychischen Folgen.

Narzissmus Entstehung - Fehlende Spiegelung des Kindes

Durch das Fehlen passender Bezugspersonen in der Entwicklung suchen diese Kinder dann Schutz in ihrer Innenwelt. Dort machen sie sich zum Mittelpunkt ihres Universum. Alles existiert nur in Bezug auf sie und dient der Erfüllung ihrer Wünsche und Bedürfnisse. Nichts existiert losgelöst von ihnen. Auch hier fehlt die Ich-Umwelt-Grenze. Sie haben später enorme Schwierigkeiten, ihre Mitmenschen als von ihnen getrennte Individuen mit eigenen Wünschen und Bedürfnissen zu sehen. Alles in der Welt des Narzissten existiert nur, weil es ihn gibt und ist auf ihn bezogen.

Gleichzeitig konnten sie durch das Fehlen entsprechender Spiegelung auch keine echte Empathie ausbilden, auch wenn sie sehr gut gelernt haben, ihre Mitmenschen zu lesen, um sie zur Erfüllung ihrer Wünsche und Bedürfnisse zu manipulieren. Es liegt auf der Hand, dass ein Mensch mit diesen Schwierigkeiten und Entwicklungsdefiziten nicht in der Lage sein wird, eine stabile Partnerschaft auf Augenhöhe zu führen.

3. Überschätzung macht Kinder zu Narzissten: aktuelle Studie von Eddie Brummelmann

Laut einer aktuellen und sehr interessanten Studie um den Assistenz-Professor Eddie Brummelmann an der University of Amsterdam unter dem Titel Origins of narcicissm in Children (auf Deutsch: "Ursprünge des Narzissmus bei Kindern") lernen Kinder ihre eigene Bedeutsamkeit anhand der Einschätzung und des Verhaltens ihrer Eltern.

Das bedeutet, je höher die Eltern die Bedeutsamkeit des Kindes einschätzen und durch ihr Verhalten spiegeln, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Kind ausgeprägte narzisstische Züge entwickelt.

Das geschieht natürlich durch übertriebenes und situationsunangemessenes Loben und Belohnen (positive Verstärkung), aber auch indem das Kind beobachtet, wie die Eltern seine Bedeutung im Vergleich zu anderen Kindern einschätzen.

Narzissmus Entstehung - Eltern überbetonen Bedeutung des Kindes

Häufig geht dieses permanente Herausstellen der Besonderheit des eigenen Kindes mit sofortiger Bedürfnisbefriedigung einher. Die Kinder lernen nicht, Wünsche auszuhalten oder Frustrationstoleranz zu entwickeln. Nahezu jeder Wunsch wir dem kleinen Prinzen oder der kleinen Prinzessin umgehend erfüllt. Diese Kinder werden darüber hinaus häufig auch gegenüber Erwachsenen bevorzugt behandelt und lernen so keine angemessenen Grenzen kennen.

Dann wird beispielsweise die gute Freundin oder der Arbeitskollege mitten im Satz von den Eltern unterbrochen, weil sich der geniale Filius anschickt, einen "wertvollen" geistigen Erguss zur Konversation beinzutragen und jede noch so banale Äußerung wird mit Staunen und Beifallsbekundungen gefeiert. Auf diese Weise lernt der Sprössling, dass er bedeutsamer als jeder andere ist. An diese Art der Zuwendung und Bedeutsamkeit gewöhnt er sich schnell. Sie wird zu seiner Referenzerfahrung, an der er später das Verhalten seiner Mitmenschen misst.

Seine Sonderstellung und der damit einhergehende Anspruch auf Sonderbehandlung, ohne auch nur das Geringste dafür tun zu müssen, werden zum fest verankerten Lebensgefühl des Kindes. Es hat nie gelernt, dass andere genauso wichtig sind, wie es selbst. Auch wenn viele Eltern es oberflächlich gut meinen, verletzen sie auf diese Art permanent das Bedürfnis nach liebevoller Grenzsetzung ihres Kindes.

Man könnte meinen, dass die Eltern ihr Kind doch auf eine ganz besondere Weise lieben und ihm seinen Wert spiegeln. Was soll daran verkehrt sein? Tatsächlich tun sie das nicht. Sie bestärken die Sonnenseite ihres Kindes. Der Rest wird abgelehnt.

Sie idealisieren ihr Kind und projizieren eigene Wünsche auf dieses. Häufig wird das Kind auch zur reinen Identitätsverlängerung mindestens eines Elternteils - meist der narzisstischen Mutter. Dann wird das Kind nicht als eigenständiges Individuum gesehen sondern existiert einzig und allein auf diesen Elternteil bezogen. Sein Bedürfnis nach Einmaligkeit wird zutiefst verletzt.

Dann lernt das Kind auch, dass nur seine angenehmen Gefühle akzeptabel sind. Ärger, Wut, Traurigkeit, etc. werden abgelehnt und dürfen nicht stattfinden. Dadurch verschwinden diese natürlichen Gefühle natürlich nicht. Sie werden nur ins Unterbewusstsein verdrängt und später als narzisstischer Abwehrmechanismus auf die Umwelt und speziell andere Menschen projiziert.

Auf diese Weise entsteht ein überhöhtes Selbstbewusstsein, das genauso unglücklich macht, wie ein zu geringes. Häufig wird behauptet, wir könnten gar nicht zu viel Selbstwertgefühl entwickeln. Doch das stimmt nicht. Alles, was mit dem Wörtchen "zu" beginnt zeigt bereits, dass etwas der Wirklichkeit nicht angemessen ist. Es steht nicht in Kontakt mit dem, was wirklich ist und stellt damit eine Verzerrung der Realität dar. Ein Mensch mit einem gesunden Selbstwertgefühl hält sich selbst weder für wertvoller noch für minderwertiger als andere. Er sieht sich als gleichwertig an.

Narzisstische Phase in der normalen kindlichen Entwicklung

Wie bereits erwähnt haben wir alle narzisstische Anteile in uns. Keiner ist davon ganz frei und in einer gesunden Ausprägung muss das auch nichts Schlechtes sein. Zumindest auf der aktuellen Stufe unserer gesellschaftlichen Entwicklung. Sollte sich die Menschheit einmal als Kollektiv im Bewusstsein über einen gewissen Punkt hinaus entwickeln, so mag die Evolution auf narzisstische Strebungen im Individuum ganz verzichten können.

Auf dem aktuellen Punkt stellen sie jedoch eine Anpassungsleistung dar, die dafür sorgen will, dass wir unseren Teil von dem, was wir brauchen, auch bekommen. Dabei gibt es auch in der gewöhnlichen Entwicklung eines Menschen eine kurze narzisstische Phase, die schon Sigmund Freud 1909 zum ersten Mal erwähnt und ihr die Bezeichnung "Primärer Narzissmus" gegeben hat.

Primärer Narzissmus

Der primäre Narzissmus bezeichnet den Narzissmus des Säuglings, der noch nicht zwischen Ich und Umwelt unterscheiden kann. Dabei handelt es sich um eine ganz normale Phase der kindlichen Entwicklung, die unter normalen Umständen im weiteren Verlauf hinter sich gelassen wird. Der primäre Narzissmus reicht demnach bis ca. zum 6. Lebensmonat des Säuglings. Individuelle Verläufe können abweichen.

Sekundärer Narzissmus

Als sekundären Narzissmus bezeichnete Freud die pathologische Rückkehr zu einer Variation des kindlichen (primären) Narzissmus. Im Laufe der gesunden Entwicklung richtet sich die Libido des Kindes immer mehr von sich selbst weg und hin zu äußeren "Objekten", also Mutter, Vater, Geschwister, Haustiere, usw. Beim sekundären Narzissmus wird die Libido den äußeren Objekten jedoch wieder entzogen und auf sich selbst zurückgelenkt.

Die Libido des sekundär narzisstisch geprägten Menschen macht also eine Art Bumerangbewegung. Sie geht vom Narzissten aus schrammt den anderen nur kurz und kehrt dann schnell wieder zum Narzissten zurück.

Wie man seine Kinder schützt

Indem du du dir deinen Eigenanteil anschaust. Es gibt keinen anderen Weg. Unser Unbewusstes ist immer stärker als unsere erschöpfliche Willenskraft. Wir können es noch so gut meinen, unser Verhalten wird höchstens kurzfristig durch unsere guten Absichten beeinflusst. Solange wir starke narzisstische bzw. co-narzisstische Wunden in unserer Seele tragen und aus den daraus entstandenen Schutzstrategien agieren, können wir nicht verhindern, dass sich dies auch auf unsere Kinder auswirkt.

Dazu ist es oft sinnvoll, auch die Beziehung zu den eigenen Eltern einmal genauer unter die Lupe zu nehmen und vor allem die Erfahrungen der Kindheit im Hinblick auf derartige Muster und Verletzungen zu beleuchten. Keine Sorge, dabei muss niemand heute mehr den geballten Schmerz alter Verletzungen erneut durchleben. So etwas hat man früher gemacht, als man es noch nicht besser wusste.

Moderne Methoden sind da viel schonender und fördern eher die ungenutzten eigenen Kraftpotenziale - um dieses alte belastende Material ein für allemal hinter dir zu lassen und die Kette zu durchbrechen, mit der destruktive Beziehungsmuster von Generation zu Generation weitergegeben werden..

Nie wieder toxische Beziehungen

Du möchtest erfahren, wie du selbst einschränkende Muster überwinden, dich vollständig annehmen und die Partnerschaft führen kannst, nach der du dich sehnst? Seit 2012 habe ich mehrere Hundert Menschen auf genau diesem Weg begleitet. Ich freue mich, wenn du bald auch dazugehörst. Lerne mich kennen und lass mich dir helfen, dein Leben um deine wahren Wünsche und Bedürfnisse herum zu gestalten.

Sind toxische Menschen immer Narzissten?

Toxische Menschen weisen typische Merkmale einer sogenannten Cluster-B-Persönlichkeit auf. Im amerikanischen Diagnoseschlüssel für psychische Erkrankungen, dem DSM-V (Diagnostical and Statistical Manual of Mental Disorders) werden Persönlichkeitsstörungen in drei Cluster eingeteilt:

Cluster A: Hierzu zählen die paranoide, die schizoide und die schizotype Persönlichkeitsstörung.

Cluster B: Zum Cluster B rechnet man die antisoziale, die Borderline-, die histrionische und die narzisstische Persönlichkeitsstörung.

Cluster C: Hier findet man die selbstunsichere, die dependente (abhängige) und die zwanghafte Persönlichkeitsstörung.

Kennzeichnend für Cluster-B-Persönlichkeiten ist ihre mangelnde Fähigkeit zur Empathie. Ihnen fehlt häufig jegliches Mitgefühl mit ihren Mitmenschen. Sie sehen sie eher als Schachfiguren in ihrem Spiel und sind emotional blind für das Leiden, das sie ihnen durch ihr Verhalten zufügen. Dabei können sie durchaus empathisch wirken. Sie besitzen ein erschreckend präzises Gespür für die Ängste, Sorgen, Nöte, Bedürfnisse, Wünsche und Emotionen ihrer Mitmenschen und entlarven deren Schwachstellen mit traumwandlerischer Sicherheit. Sie sind oft sehr gute Zuhörer und haben gelernt, empathisch rüberzukommen.

Doch dabei geht es ihnen nicht um den anderen. Sie geben ihrem Gegenüber lediglich das Gefühl, sich wirklich für ihn zu interessieren, während sie im Hintergrund fleißig Informationen über den anderen sammeln, die sie hinterher bewusst oder unbewusst verwenden, um ihn anhand seiner roten Knöpfe in die gewünschte Richtung zu manipulieren. Deshalb spricht man im Zusammenhang mit Narzissten bzw. Cluster-B-Persönlichkeiten auch häufig von kalter Empathie.

Cluster-B-Persönlichkeitsstörungen

Cluster-B-Persönlichkeitsstörungen

Cluster B Persönlichkeiten

Bemerkenswert ist auch, dass Cluster-B-Persönlichkeiten durch ihre Charaktereigenschaften, ihre Skrupellosigkeit und ihre geschickten Manipulationsfähigkeiten häufig in Führungspositionen zu finden sind. Sie verkörpern nicht selten das westliche Erfolgsideal, sehen gut aus, sind oberflächlich charmant, charismatisch und gebildet, wodurch sie eine hohe Anziehungskraft auf andere Menschen entwickeln können. Das macht sie zusätzlich gefährlich, das sie sich in zwischenmenschlichen Beziehungen extrem ausbeuterisch verhalten.

Häufig besteht bei Cluster-B-Persönlichkeiten eine hohe Komorbidität mit anderen Merkmalen aus demselben Cluster, aber auch mit anderen psychischen Störungen. So weisen Borderliner eigentlich immer auch narzisstische Züge auf und Narzissten sind häufig auch bis zu einem gewissen Grade Borderliner. Eine antisoziale Persönlichkeitsstörung ist ebenfalls ohne narzisstische Züge nicht vorstellbar.

Obwohl man sich hier um klare Abgrenzung bemüht, gibt es viele Überschneidungen sodass die Zuordnung der Störungen zu einem entsprechenden Cluster in der Praxis durchaus Sinn macht.

Narzissten können sich dabei durchaus eine Beziehung wünschen, doch fehlt ihnen die Fähigkeit, stabile Beziehungen auf Augenhöhe einzugehen. Dabei werden sie häufig zwischen einem starken Bedürfnis nach Nähe und Verbundenheit auf der einen und ausgeprägter Bindungsangst auf der anderen Seite hin und her gerissen. Sie stellen völlig überzogene Ansprüche an ihre Partner(innen), die in ihren Augen jedoch nicht für sie selbst gelten. Ebenso geht ihnen die Fähigkeit zur Selbstreflexion ab. In ihrer Wahrnehmung sind immer die anderen schuld.

Alles andere würde ihr künstlich überhöhtes Selbstbild gefährden, an das sie sich so verzweifelt klammern und das sie ohne Rücksicht auf Kollateralschäden verteidigen. Dazu passt auch, dass pathologische Narzissten ein enorm hohes Selbstmordrisiko aufweisen.

Vornehmlich dann, wenn es zum totalen Melt Down kommt - der Kernschmelze ihres pathologisch überhöhten Selbstbildes. Kann dies nicht länger aufrecht erhalten werden, bricht für den Narzissten buchstäblich seine Welt zusammen. Oft weiß er dann keinen anderen Ausweg mehr, als seinem Leben ein Ende zu setzen. Hier liegt die Suizidrate bei ca. zehn Prozent*1. Der höchste Wert aller Persönlichkeitsstörungen.

Laut einer deutschen Studie*1 leiden 9,4 Prozent der Bevölkerung an einer Persönlichkeitsstörung, darunter 0,4 Prozent unter einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Das klingt nicht viel, bedeutet aber alleine in Deutschland über 330.000 pathologische Narzissten.  Dazu muss gesagt werden, dass hier nur die eindeutig pathologischen Narzissten berücksichtigt sind. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen.

Wenn du dir die dabei die Persönlichkeitsmerkmale bzw. -Störungen (je nach Ausprägung) von Cluster B und Cluster C - Persönlichkeiten einmal genauer ansiehst, wird dir schnell auffallen, wie gut sie zueinander passen. Deshalb ziehen sich Menschen mit den entsprechenden Merkmalen auch häufig stark an. In ihrer Dynamik passen sie zueinander wie Nut und Feder beim Parkett.

Dunkle Triade: Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie

Der Begriff dunkle Triade taucht häufig im Zusammenhang mit Narzissmus auf und wurde 2002 von den beiden kanadischen Psychologen Kevin Williams und Delroy Paulhus eingeführt. Er bezeichnet ein Dreigespann von typischen Wesensmerkmalen extrem ausbeuterischer Personen. Die dunkle Triade besteht aus:

Der Begriff dunkle Triade taucht häufig im Zusammenhang mit Narzissmus auf und wurde 2002 von den beiden kanadischen Psychologen Kevin Williams und Delroy Paulhus eingeführt. Er bezeichnet ein Dreigespann von typischen Wesensmerkmalen extrem ausbeuterischer Personen. Die dunkle Triade besteht aus:

  1. 1
    Narzissmus
  2. 2
    Machiavellismus
  3. 3
    Psychopathie
Dunkle Triade:- Narzissmus - Machiavellismus - Psychopathie

Das Zusammenspiel dieser drei Eigenschaften führt dazu, dass Menschen ausgesprochen Ich-bezogen und ausbeuterisch handeln, ihren eigenen Vorteil immer über den der anderen stellen und ihre Mitmenschen instrumentalisieren.

Dem narzisstischen Persönlichkeitsteil geht es dabei um Bewunderung, dem machiavellistischen Teil darum, seine Ziele ohne Rücksicht auf Verluste (anderer) zu erreichen und für den psychopathischen bzw. soziopathischen Persönlichkeitsanteil sind deine Mitmenschen lediglich Objekte, die er für seine Zwecke nutzen kann.

Manchmal wird auch von der dunklen Tetrade gesprochen. Dann kommt als Viertes der Sadismus dazu. Ein Sadist ergötzt sich am Leiden anderer, besonders, wenn er es verursacht hat.

All diese antisozialen Eigenschaften führen leider häufig dazu, dass ihre Träger es in der Hierarchie sehr weit nach oben schaffen, da sie unter anderem die Fähigkeit besitzen, für ihren eigenen Erfolg skrupellos über Leichenberge zu klettern, die sie auf ihrem Weg an die Spitze hinterlassen.

Fazit: Es gibt keine toxischen Menschen, die nicht ausgeprägte narzisstische Züge aufweisen und jeder ausgeprägte Narzisst wirkt auf sein nahes Umfeld toxisch. Oft kommen noch weitere Eigenschaften aus angrenzenden Persönlichkeitsstörungen hinzu. Wir können deshalb für unsere Zwecke vereinfacht sagen: Toxische Personen sind immer auch Narzissten.

Moderate und psychopathische Ausprägungen

Bei gefährlichen Narzissten kommen meistens Eigenschaften aus dem Dunstkreis der dunklen Triade bzw. dunklen Tetrade hinzu. Solche Menschen können zutiefst bösartig sein und schrecken auch vor körperlicher Gewalt nicht zurück. Das kann auch bei "normalen" Narzissten vorkommen, doch geschieht es hier meist im Rahmen eines narzisstischen Wutanfalls, während die Gewalt bei Menschen mit "dunklen" Persönlichkeitsmerkmalen häufig eiskalt ausgeübt wird.

Mildere Formen

Für eine toxische Wirkung braucht es jedoch nicht immer einen ausgeprägten Narzissten als Partner. Ähnlich wie manche einschneidenden Erfahrungen den einen Menschen traumatisieren können, während sie für den anderen nichts Besonderes sind, hängt die toxische Wirkung nicht nur vom Gegenüber ab sondern auch davon, wie es um die eigenen offenen Wunden und Resilienz steht.

Hier leiden besonders empathische und hochsensible Menschen bereits stark unter mangelndem Einfühlungsvermögen und dem Egoismus des Partners, ohne dass dieser im klinischen Sinne Merkmale einer pathologischen Narzisstischen Persönlichkeitsstörung aufweisen muss. Trotz der schädlichen Wirkung auf den empathischen Partner sollte der Begriff der toxischen Beziehung jedoch Partnerschaften mit echten toxischen Personen vorbehalten bleiben, um ihn nicht zu verwässern.

Nie wieder toxische Beziehungen

Du möchtest erfahren, wie du selbst einschränkende Muster überwinden, dich vollständig annehmen und die Partnerschaft führen kannst, nach der du dich sehnst? Seit 2012 habe ich mehrere Hundert Menschen auf genau diesem Weg begleitet. Ich freue mich, wenn du bald auch dazugehörst. Lerne mich kennen und lass mich dir helfen, dein Leben um deine wahren Wünsche und Bedürfnisse herum zu gestalten.

Sind Narzissten therapierbar?

Ist Narzissmus heilbar?

Leider gelten sämtliche Erkrankungen aus den Cluster-B-Persönlichkeitsstörungen als unheilbar. Dennoch kann man in einer umfangreichen Therapie bei moderaten Narzissten manchmal eine gewisse Besserung zumindest auf der Verhaltensebene erzielen.

Vor allem dann, wenn sie zu einer gewissen Krankheitseinsicht gelangen und selbst stark unter den sozialen Folgen ihrer Narzisstischen Persönlichkeitsstörung (NPS) leiden. Die Erfolgsaussichten einer Narzissmus-Therapie hängen dabei in großem Maße von der Ausprägung der Störung und dem Vorhandensein tragfähiger gesunder Persönlichkeitsanteile ab.

Trotzdem sind die Erfolgsaussichten verglichen mit anderen psychischen Störungen eher mau und die Therapie kann ziemlich zäh und langwierig werden.

Ebenso braucht es dafür einen sehr gut ausgebildeten Therapeuten mit einer speziellen Zusatzausbildung (sehr selten) zur effektiven Therapie von Narzissmus. Einige gehen davon aus, dass die Therapie eines Narzissten sich mindestens über einen Zeitraum von 5 - 10 Jahren erstrecken muss, um effektiv und nachhaltig zu sein. Das ist meist schon aufgrund der anfallenden Therapiekosten kaum möglich.

In der Therapie geht es unter anderem darum, die narzisstisch verzerrten Denk- und Wahrnehmungsmuster positiv zu verändern und auf ein realistisches Maß zu bringen. Die Therapieziele werden am besten mit dem jeweiligen Patienten individuell abgestimmt und gemeinsam festgelegt.

Schätzungen gehen davon aus, dass sich so nach einigen Jahren bei ca. der Hälfte der therapierten Narzissten eine Reduzierung der Symptome ergibt. Jedoch geht es - wie in jeder anderen Therapie auch - nicht ohne die Mithilfe des Patienten und dessen aufrichtigen und stabilen Wunsch, sich zu verändern. Und dieser ist besonders bei der Narzisstischen Persönlichkeitsstörung (NPS) in den seltensten Fällen gegeben.

Narzissmus wird Ich-synton erlebt

Die Betroffenen empfinden ihren Narzissmus als Ich-synton. Das bedeutet, dass sie die Symptome der Erkrankung als zu sich gehörig wahrnehmen, nicht als Krankheit. Der Narzissmus ist demnach ein zugehörig empfundener Teil ihrer Persönlichkeit und sie erkennen nichts Falsches daran.

Ein Mensch, der beispielsweise an einer Zwangserkrankung leidet, empfindet diese als Ich-dyston. Er weiß, dass seine Symptome durch seine psychische Störung verursacht werden und an sich keinen Sinn machen. Er erlebt sie nicht als Teil seiner Persönlichkeit und würde sie in der Regel gerne loswerden.

Das ist beim Narzissten gewöhnlich nicht der Fall. Deshalb ist es auch extrem unwahrscheinlich, dass sich ein Betroffener freiwillig in Therapie begibt. Er empfindet sich nicht im Geringsten als gestört. Er leidet höchstens unter den Reaktionen seiner Mitmenschen.

Narzissmus ist ich-synton

Ihm fehlt nicht nur das Bewusstsein dafür, überhaupt ein Problem zu haben. In seinem Denken sind auch grundsätzlich die anderen Schuld und die mit dem Problem. Sich einzugestehen, an einer behandlungsbedürftigen psychischen Störung zu leiden, käme einer narzisstischen Kränkung gleich und verträgt sich schlecht mit einem überhöhten Selbstbild, das auf dem Glauben an die eigene Grandiosität aufbaut.

Wenn auch Therapeuten drauf reinfallen

Dreifaches Gaslighting

Doch sind sie durch die Eigenschaften ihres Selbstbildes, ihre mangelnde Empathiefähigkeit und viele weitere Defizite nicht in der Lage, stabile Beziehungen auf der Basis von Gleichwertigkeit und Respekt zu führen. Diesen Konflikt versuchen sie in der Regel möglichst stark zu verdrängen und wehren ihn auf verschiedene Weise ab.

Viele Co-Narzisstinnen verbünden sich mit diesem unerfüllten Wunsch im narzisstischen Partner und sehen mehr den verletzten kleinen Jungen in ihm, anstatt in Kontakt mit den destruktiven Auswirkungen seines Verhaltens zu sein und sich selbst zu schützen.

Dadurch bleiben sie in der toxischen Beziehung gefangen und neigen dazu, das zerstörerische Verhalten ihres Partners zu relativieren und zu rechtfertigen.

Sie identifizieren sich auch deshalb so stark mit diesem verletzten inneren Kind des Partners, weil sie diese Verletzungen in der Regel selbst kennen. Sie haben nur einen völlig anderen Weg gewählt, mit ihnen umzugehen.

Der Grundkonflikt und die kindliche Urverletzung sind jedoch sowohl bei Empathin als auch Narzisst häufig recht ähnlich, wodurch in der Beziehung häufig das trügerische Gefühl von Tiefe und "Gesehen werden" besonders bei den Frauen entsteht. Da sie es nicht oft erleben, dass ihnen ein "Mann mit Tiefe" begegnet, was bei Narzissten durchaus nicht selten vorkommt, missdeutet das verletzte Kind in ihnen selbst diese Tiefe und hofft, bei diesem Partner das bekommen zu können, was es schon seit seiner Kindheit so schmerzlich entbehren musste.

Es kommt auch häufig vor, dass ein narzisstisch veranlagter toxischer Partner seiner Frau oder Freundin regelmäßig sagt, dass er sie liebt und sich dann alles andere als liebevoll verhält. Unter dieser Diskrepanz zwischen Worten und Taten leiden die Partnerinnen oft sehr stark

Natürlich macht es auch etwas mit dem eigenen Selbstwertgefühl, wenn man beobachtet, wie der geliebte Mensch zu anderen ganz wunderbar ist während er einen selbst emotional grausam behandelt. Viele glauben dann tatsächlich, dass es sich hierbei um einen Beweis handelt, dass sie das Problem sein müssen. Schließlich geht er ja mit anderen Menschen viel liebevoller um. Doch das ist eine gefährliche Fehleinschätzung, die Teil der klassischen Beziehungsdynamik in der empathisch-narzisstischen Kollusion ist.

Pseudobeziehung

Du bist mir nur insofern wichtig, wie du mir nützlich bist!

Die Liebe eines echten Narzissten ist vergleichbar mit der Liebe, wenn jemand von sich sagt, er würde sein Auto lieben oder das Meer. Narzissten sind in der Regel unfähig zu echten Ich-Du-Beziehungen. Deshalb folgen fast alle ihrer Freundschaften und Partnerschaften dem Muster Pseudo-Beziehung, das der dritten und höchsten Stufe sozialer Entfremdung entspricht. Bei der Pseudo-Beziehung gilt der Leitsatz "Du bist mir nur insofern wichtig, wie du mir nützlich bist".

>>> Lies hier mehr über soziale Entfremdung... 

Wie erkenne ich, ob ich es mit einem Narzissten zu tun habe?

Anfangs leider oft gar nicht! Zumindest wenn du deine Wahrnehmung nicht außerordentlich für sie geschult hast. Narzissten sind wahre Chamäleons in ihrer Selbstdarstellung. Besonders in der Anfangsphase einer Beziehung. Dennoch gibt es verschiedene Hinweise wie die Red Flags und spezifische Verhaltensweisen wie das Fast Forwarding, Future Faking oder Love Bombing, die dir auch in der Anfangsphase einer Beziehung als Warnzeichen dienen können.

Darüber hinaus gibt es nicht den 100 prozentigen Narzissten, obwohl einige scheinbar ziemlich dicht dran kommen. In der Praxis kommen eher Mischtypen vor. Da wir alle auch in unterschiedlichem Maßen narzisstische Anteile in uns haben, gibt es ebenso wenig Menschen, die 0 Prozent narzisstisch sind, wie es Menschen gibt, die zu 100 Prozent und in jeder Situation narzisstisch sind.

Wie erkennt man einen Narzissten?

Vieles hängt auch vom Vorhandensein zusätzlicher Merkmale anderer psychischer Störungen ab, der so genannten Komorbidität. Hier sind besonders die Narzissten gefährlich, die gleichzeitig psychopathische (angeboren) bzw. soziopathische (erworben) Anteile in sich haben.

So sind sich beispielsweise klinische Psychologen meistens einig, dass es keinen einzigen Serienmörder oder Kinderschänder gibt, der nicht auch gleichzeitig starke Narzisstische Züge aufweist. Was natürlich im Umkehrschluss nicht bedeutet, dass jeder Narzisst gewalttätig oder pädophil wird. Ganz besonders im letzten Fall muss man auch klar zwischen der Neigung als solcher und dem Umsetzen in die Tat differenzieren.

Ein weiterer Punkt ist, dass es nach aktuellem Kenntnisstand keine Korrelation zwischen Intelligenz und dem Vorhandensein einer Narzisstischen Persönlichkeitsstörung (NPS) gibt. Das bedeutet, dass wir es sowohl mit strohdummen wie hochintelligenten Narzissten zu tun haben. Erstere sind im Alltag durch ihr ungelenkes und proletenhaftes Verhalten noch relativ leicht auszumachen.

Die intelligenten Narzissten sind da schon viel gefährlicher, denn sie verstehen es, ihre narzisstischen Züge geschickt zu tarnen und sind Meister der Manipulation. Aufgrund ihrer Charaktereigenschaften findet man sie darüber hinaus sehr häufig in Machtpositionen, was sie noch gefährlicher macht.

Der Vollständigkeit halber seien hier auch die Studien des US-Amerikanischen Professoren Brad J. Bushman*2 mit insgesamt 2.250 Teilnehmern erwähnt, in denen versucht wurde, Narzissten mittels einer simplen Frage zu entlarven. Das Ganze beruht darauf, dass Narzissten in der Regel ihren Narzissmus nicht als etwas Negatives empfinden sondern die damit verbundenen Ansichten und Verhaltensweisen als natürliche Folge ihrer eigenen Großartigkeit wahrnehmen.

Wie aussagekräftig dieser Test wirklich ist, darüber lässt sich sicher streiten. Vor allem würde eine Narzisstin bzw. ein verdeckter Narzisst sicher weniger ehrlich antworten, als einer, der seinen Narzissmus ganz offen zur Schau stellt.

Bushmann meint jedenfalls, dass die Antwort auf diese Frage eine starke Verbindung zum tatsächlichen Vorhandensein von Narzissmus hat und ist überzeugt von ihrem Aussagewert. In der Studie wurde den Probanden folgende Frage gestellt: "Auf einer Skala von 1 bis 10 - wie sehr stimmen Sie der Aussage zu "Ich bin ein Narzisst"?

Je höher der Wert, desto größer sei die Wahrscheinlichkeit, dass es sich tatsächlich um einen Narzissten handele. Wenn du mich fragst, ich bezweifle, dass solch ein simpler Test zuverlässig ausreicht. Narzissten sind nicht doof. Im Gegenteil. Wenn der Gefragte mit seinen feinen Antennen wahrnimmt, dass du nicht aus Spaß fragst sondern ihn testen willst, halte ich es für deutlich wahrscheinlicher, dass er dir die Antwort gibt, die du hören möchtest, als dass er sich stolz mit seinem Narzissmus brüstet. Schaden kann's aber wahrscheinlich nicht, denn die Reaktion auf die Frage dürfte allemal interessant sein.

Ich halte es für deutlich zielführender, wenn du versuchst, das Verhalten deines Gegenübers möglichst neutral zu beobachten und dabei auf Anzeichen für narzisstisches Verhalten achtest, wie du sie auf dieser Seite kennenlernst. Je besser du die Red Flags erkennen kannst oder über die typisch narzisstischen Eigenschaften und Manipulationstechniken Bescheid weißt, desto klarer wird dein Bild sein. So bekommst du schnell eine Ahnung davon, ob du es mit einem echten Narzissten oder nur einem mit normal-neurotischen Menschen wie dir und mir zu tun hast.

Red-Flags: Diese Warnsignale solltest du kennen

Zu den Red Flags gibt es so viel zu sagen, dass ich es in einem eigenständigen Artikel zusammengefasst habe:

>>> 34 Red Flags, die du unbedingt kennen solltest

Nie wieder toxische Beziehungen

Du möchtest erfahren, wie du selbst einschränkende Muster überwinden, dich vollständig annehmen und die Partnerschaft führen kannst, nach der du dich sehnst? Seit 2012 habe ich mehrere Hundert Menschen auf genau diesem Weg begleitet. Ich freue mich, wenn du bald auch dazugehörst. Lerne mich kennen und lass mich dir helfen, dein Leben um deine wahren Wünsche und Bedürfnisse herum zu gestalten.

Bin ich selbst Narzisst?

Alleine schon die Tatsache, dass du dir besorgt diese Frage stellst, macht es sehr unwahrscheinlich, dass dies der Fall ist. Um dich aber zusätzlich ein wenig zu beruhigen kommen hier ein paar Eigenschaften, an denen du ganz sicher erkennen kannst, dass du nicht zum Club der Narzissten gehörst.

  1. 1
    Du kannst auch mal einen Fehler zugeben, bist halbwegs selbstreflektiert und hältst es prinzipiell für möglich, dass du einen Eigenanteil an einem zwischenmenschlichen Problem haben könntest und kannst manchmal auch über dich selbst lachen. Damit bist du ziemlich sicher keine Narzisstin. Denen fehlt nämlich sowohl die Bereitschaft als auch die Fähigkeit zu aufrichtiger Selbstreflexion. In ihrem Bild sind sie großartig und die anderen - ganz zu ihrem Leidwesen - diejenigen, deren Makel all die lästigen Probleme in ihrem Leben verursachen. Man bekommt einfach kein gutes Personal mehr heute. Dabei spielt besonders der Umgang mit Kritik eine Rolle. Das ist zwar für die wenigsten von uns leicht, aber Narzissten wirft es vollkommen aus der Bahn. Würde er die Kritik an sich heran lassen, würde sie am Sockel seines überhöhten Selbstbildes kratzen und da dieses immer einsturzgefährdet ist, kann er dies auf keinen Fall zulassen. Deshalb werden Narzissten häufig extrem giftig, wenn sich jemand anmaßen sollte, sie zu kritisieren. Sie entwickeln dann niederträchtige Rachegelüste und nicht selten auch den Wunsch, den Kritiker regelrecht zu zerstören, sind nachtragend und intrigieren offen feindselig oder hinter dem Rücken des Kritikers gegen ihn. Diese Unfähigkeit zu Kritik schließt auch Selbstkritik mit ein. Deshalb sind Narzissten nicht in der Lage, ehrlich über sich selbst zu lachen. Das würde nämlich voraussetzen, dass sie sich ihre eigene "Fehlerhaftigkeit" eingestehen und das kann sich ein Narzisst mit seinem bröckeligen Selbstbild nicht erlauben.
  2. 2
    Du nimmst Anteil am Leiden und der Freude anderer. Da Narzissten die Empathiefähigkeit fehlt, sind sie unempfänglich für die Emotionen anderer. Sie können diese zwar meist hervorragend lesen und wissen schnell, welche emotionalen Knöpfe sie beim anderen drücken müssen, um ihn zur gewünschten Reaktion zu bewegen, doch nehmen sie keinerlei Anteil an seinem Erleben. Sie empfinden so gut wie kein Mitgefühl mit anderen und die Erfolge anderer sind für sie eher eine Bedrohung ihres eigenen Grandiositätsempfindens. Deshalb reagieren Narzissten mit Neid auf solche Erfolge. Sie können nicht gönnen. Glänzt jemand in ihrem Umfeld, so versuchen sie ihn zu entwerten und den Erfolg des anderen zu relativieren. Ist die Partnerin beispielsweise befördert worden, sieht ein Narzisst darin in der Regel keinen Grund zum Feiern sondern wird schnell dabei sein, sie auf ihre Schwächen hinzuweisen. "Ja, aber deinen Haushalt hast du trotzdem nicht im Griff. Hier sieht's ja aus wie Sau!" Es sei denn, er nutzt seine Partnerin als Verlängerung und erweiterte Projektionsfläche für seine eigene Großartigkeit. Dann wird er möglicherweise in der Öffentlichkeit mit den Erfolgen seiner Frau prahlen und sich in ihrem Glanz sonnen. Zuhause wird er sie dennoch entwerten. Im beruflichen Umfeld, in dem offene Entwertung nicht immer möglich ist, wird ein Narzisst beim Erfolg eines Kollegen möglicherweise zu Intrigen greifen, hinter seinem Rücken schlecht über ihn reden oder ihn beim Chef anschwärzen.
  3. 3
    Es gibt oder gab mindestens eine längerfristige Freundschaft in deinem Leben. Wenn du diese Frage mit Ja beantworten kannst, bist du safe. Aufgrund ihrer Verhaltensweisen und Charaktereigenschaften sind Narzissten in der Regel nicht in der Lage, langfristige tiefe Freundschaften aufrecht zu erhalten. Zwar haben sie oft viele oberflächliche Bekanntschaften oder scharen so genannte Flying Monkeys um sich und wirken oberflächlich sehr beliebt, doch um echte Freundschaften zu pflegen fehlt ihnen das nötige Rüstzeug, denn diese beruhen auf unter anderem auf Ehrlichkeit, Gleichwertigkeit, Empathie und der mittelfristigen Balance zwischen Geben und Nehmen. Wie du mittlerweile weißt, sind das alles nicht gerade typisch narzisstische Sozialkompetenzen.

Wenn du trotzdem auf Nummer sicher gehen willst, schau dir doch nochmal die diagnostischen Kriterien für eine Narzisstische Persönlichkeitsstörung an.

Wie äußert sich weiblicher Narzissmus?

Bei weiblichen Narzissten denken viele vermutlich als erstes an berühmte Hollywood-Diven oder Musik-Stars wie Maria Carey (das ist keine Ferndiagnose). Tatsächlich äußert sich Narzissmus bei Frauen anders, als bei Männern.

Während Männer eher zum so genannten offenen Narzissmus tendieren, neigen Frauen zum verdeckten Narzissmus. Männliche Narzissten stellen die von ihnen empfundene eigene Grandiosität und Großartigkeit offen zur Schau, während der klassisch weibliche Narzissmus eher von starken Gegensätzen geprägt ist.

Weibliche Narzissten definieren sich besonders stark über ihre eigene Attraktivität und sind innerlich zerrissen zwischen Größenfantasien über ihre eigene Schönheit und der ausgeprägten Leere im Inneren. Weiblicher Narzissmus ist deshalb von außen auf den ersten Blick schwerer zu erkennen als männlicher Narzissmus.

Weiblicher Narzissmus

Weiblicher Narzissmus pendelt dabei zwischen der nach außen zur Schau gestellten perfekten Fassade und ausgeprägten Minderwertigkeitsgefühlen. Sie können sehr selbstbewusst wirken. In Wahrheit sind sie alles andere als das. Hier unterscheiden sie sich ebenfalls vom männlichen Narzissmus-Typ, denn dieser wehrt die eigenen Minderwertigkeitsgefühle deutlich erfolgreicher ab und nimmt sie häufig nicht im Geringsten wahr.

Die perfekte Maske, mit der weibliche Narzissten sich der Welt zuwenden, stellt somit eine gelernte Schutzstrategie dar. Im Grunde ihres Herzens sind sie davon überzeugt, minderwertig zu sein. Diese Minderwertigkeit, an die sie fest glauben und für die es in den meisten Fällen keinerlei realistische Grundlage gibt, darf jedoch niemand sehen. Je größer die eigene empfundene Unzulänglichkeit, desto perfekter muss die äußere Maske sein.

Ansonsten fühlen sie sich zutiefst angreifbar und verletzlich. Ganz egal, wie hübsch sie sind, im inneren fühlen sie sich immer nicht attraktiv genug. Während andere sie begehren bleibt selbst in den Phasen, in denen sie sich ihren Größenfantasien hingibt das unterschwellige Gefühl, nicht gut genug zu sein und die große Angst, dass jemand das bemerken könnte und sie als das fehlerhafte Wesen entlarvt, dass sie unter dieser Fassade zu sein glauben.

Deshalb ist Konkurrenz für weibliche Narzissten auch besonders schlimm. Sind sie mit einer Frau konfrontiert, die ihrer Ansicht nach attraktiver oder anderweitig "besser" ist, als sie selbst, geraten sie innerlich in Panik. Besonders dann, wenn diese andere ihr die Show stielt und vom Umfeld mehr Aufmerksamkeit bekommt, als sie selbst.

Zur Verteidigung kann sie das gesamte unschöne Spektrum destruktiver narzisstischer Manipulationstechniken abfeuern. Häufig wird sie dann bissig und intrigiert gegen die andere, wertet sie massiv ab und versucht, sie loszuwerden, um wieder zum Mittelpunkt ihrer Welt zu werden. Andere Narzisstinnen stürzen in so einem Fall in die Depression und sind nicht mehr länger fähig, an ihre eigene Großartigkeit zu glauben. Das kann bis zum Meltdown führen. Häufiger wird dieser jedoch bei weiblichen Narzissten durch den natürlichen Alterungsprozess ausgelöst.

Da sie sich übermäßig stark mit ihrem Äußeren identifizieren, trifft sie das Vergehen ihrer Schönheit nach gesellschaftlichen Kriterien noch deutlich härter, als den männlichen Narzissten. Viele Betroffene rutschen dann in Suchtproblematiken ab oder nehmen sich im Extremfall das Leben.

Männer mit weiblichem Narzissmus und Frauen mit männlichem Narzissmus

Ein Punkt, der immer wieder zu Verwirrung führt, ist die Geschlechterverteilung in Zusammenhang mit den Narzissmus-Typen. Es gibt sowohl Männer als auch Frauen mit narzisstischen Wesenszügen. Darüber hinaus gibt es einen so genannten männlichen und einen weiblichen Narzissmus. Der männliche Narzissmus kommt besonders häufig bei Männern vor und wird besser als die weibliche Form durch die Diagnosekriterien der Narzisstischen Persönlichkeitsstörung (NPS) erfasst. Ca. 75% der Männer mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung haben diese männliche Form des Narzissmus.

Es gibt jedoch auch Männer mit einem eher weiblichen (verdeckten) und Frauen mit einem eher männlichen (offenen) Narzissmus. Zu letzteren zählen die klassischen Diven, von denen weiter oben die Rede war.

Weiblicher Narzissmus kommt dagegen häufiger bei Frauen vor. Hierüber ist mir derzeit keine Studie bekannt. Es scheint jedoch so zu sein, dass die 25% der Frauen, die Untersuchungen zufolge die Merkmale einer Narzisstischen Persönlichkeitsstörung im Sinne der Diagnosekriterien des DSM-V aufweisen, solche sind, die eher zum männlichen (offenen) Narzissmus-Typus neigen.

Demnach dürfte die derzeit nur mangelhaft erfasste Dunkelziffer der Frauen mit dem schlechter erkennbaren weiblichen (verdeckten) Narzissmus deutlich höher liegen. Hier wäre eine genauere Differenzierung zukünftige Studien wünschenswert.

Wie erkennt man verdeckte Narzissten?

Bei Narzissmus denken die meisten hauptsächlich an prahlerisches Verhalten von Menschen, die süchtig danach sind, im Mittelpunkt zu stehen und die Welt an ihrer Großartigkeit teilhaben zu lassen. Doch Narzissmus hat viele Gesichter. Die weniger offensichtlichen darunter sind oft die gefährlichsten. Während der typische offene Narzissmus (auch: exhibitionistischer Narzissmus) sehr deutlich zu erkennen ist, lassen sich verdeckte Narzissten (auch: vulnerabel-fragiler Narzissmus) deutlich schwerer von Laien entlarven.

Ein verdeckter Narzisst hat ein invertiertes Ego. Er stellt seine Besonderheit weniger über das Zurschaustellen seiner eigenen Grandiosität her sondern vielmehr darüber, dass er sich durch sein permanentes belastet sein indirekt in den Mittelpunkt stellt. Vulnerabel-fragile Narzissten sind und wirken häufig sehr depressiv. Sie sind immer diejenigen mit dem größten Problem im Raum, auf die alle Rücksicht nehmen müssen.

Verdeckte Narzissten

Sie wirken nicht selbstsicher, wie die offenen Narzissten. Im Gegenteil. Sie wirken sehr unsicher. Während die Gedanken des archetypischen Narzissten permanent darum kreisen, ob die anderen ihn auch angemessen bewundern, beschäftigt den verdeckten Narzissten die Angst, dass die anderen ihn nicht genug bemitleiden und Rücksicht auf ihn nehmen könnten. In dieser Weise kreist er oder sie genauso um sich selbst, wie der offene Narzisst.

Er beansprucht für sich eine Sonderstellung, die hier nicht durch seine Grandiosität sondern durch die Schwere seines Leidens (oft ohne angemessenen Anlass) begründet ist. So ist er ebenso unfähig und unwillig, sich in andere hineinzuversetzen. Ein verdeckter Narzisst ist Meister der Manipulation über Schuldgefühle und passiv-aggressives Verhalten.

Dabei zeigt er die typischen Merkmale eines Narzissten. Nur trägt er diese nicht offen zur Schau sondern erwirkt sie sozusagen von hinten durch die Brust ins Auge. Dieses Spiel ist noch schwerer zu durchschauen. Verdeckte Narzissten sind wahre Energievampire und da Mitgefühl in unserer Gesellschaft ein hoher Wert ist, fallen viele besonders empathische Menschen auf verdeckte Narzissten rein. Auch solche, die sich niemals mit einem offenen Narzissten einlassen würden.

Wenn du in einer toxischen Beziehung mit einem vulnerabel-fragilen Narzissten steckst, ist der Absprung umso schwerer, je besser deine Absichten sind und je weniger du einen Menschen verletzen möchtest. Du wirst dich enormen Schuldgefühlen stellen müssen. Viele schaffen es nicht ohne professionelle Hilfe oder fühlen sich noch Jahre später schuldig. Insbesondere, wenn gemeinsame Kinder im Spiel sind.

Weiße Ritter: Der Narzisst der dich retten muss

Weiße Ritter Narzissten

Die New Yorker Psychologin und Gestalttherapeutin Elinor Greenberg den speziellen Narzissten-Typus, von dem hier die Rede ist, als "White Knight Narcissists" also als "Weiße Ritter Narzissten". Gemeint sind Narzissten, die ganz gezielt nach "gebrochenen" Menschen suchen, um mit ihnen intime Beziehungen einzugehen. Sie bauen ihr falsches Selbstbild um ihre Retter-Persona herum auf.

Sie trachten danach, der Mensch zu sein, der dich nach einiger Zeit "wieder hinbekommen" hat. Das baut ihr Selbstwertgefühl auf. Darin liegt auch eine der Hauptursachen dafür, dass man mit einem Narzissten vom Typus Weißer Ritter keine dauerhafte Beziehung führen kann. Wenn es dir durch ihn nicht nach einer gewissen Zeit besser geht, wird er dir böse oder wendet sich einem anderen "gebrochenen" Menschen zu.

Falls er dir aber tatsächlich aus deinem Loch helfen konnte, kann er nichts mehr mit dir anfangen, wenn du ihn nicht mehr brauchst, um dich besser zu fühlen. Dann wendet er sich entweder ebenfalls ab oder was noch wahrscheinlicher ist, er beginnt dein Wohlbefinden zu manipulieren. Er lässt dich glauben, dass er verantwortlich dafür ist, dass es dir gut geht und du nur durch und mit ihm glücklich sein kannst.

Oder er sät Zweifel in dir, wie stabil wohl dein Glücksgefühl sein mag. Wie lange es wohl anhält? Denn er braucht dich weiterhin in einer bedürftigen Position, damit er den Retter spielen kann. Neben einem Weißer-Ritter-Narzissten kannst du nicht groß und ebenbürtig werden. Er lässt es nicht zu. Willst du mit ihm zusammen bleiben, dann bist du auf die Opfer-Rolle festgelegt, damit er weiter die Retter-Rolle ausagieren kann.

Dabei zeigt sich wieder einmal, das im klassischen Täter-Retter-Opfer-Dreieck nach Stephen Karpmann häufig diejenige die wahren Täter sind, die anderen weismachen wollen, sie wären deren Retter. Das gilt für persönliche Beziehungen ebenso wie für das große Weltgeschehen.

"Spirituelle" Narzissten

Die spirituelle Szene bietet Narzissten leider eine besonders dankbare Bühne, ihre manipulativen Machtspielchen auszuleben. Da in diesem Bereich vieles nicht wissenschaftlich nachweisbar ist und deshalb häufig eine Glaubensfrage, fällt es Narzissten hier besonders leicht, sich zum allwissenden Guru aufzuspielen, der vielleicht auch noch über besondere "übersinnliche" Fähigkeiten verfügt.

Eine Klientin erzählte mir einmal, ihr damaliger Freund hatte immer behauptet, genau zu wissen, was sein Gegenüber gerade fühlt, zu lernen hat, was dieser im letzten Leben war und welches negative Karma er oder sie angeblich mit sich herumschleppen würde.

Es stand für ihn außer Frage, dass er sich irren und seine "Wahrnehmungen" vielleicht einfach nur seiner Fantasie entspringen könnten. Gleichzeitig war er sehr überzeugend.

Spirituelle Narzissten

Wies ihn jemand darauf hin, behauptete er felsenfest, es sei Teil des negativen Karmas und der Entwicklungsaufgaben des Anderen in diesem Leben, dass er das, was dieser spirituelle Narzisst sagte, als wahr erkennen solle. Die meisten wendeten sich natürlich bei solch einem Verhalten schnell ab. Es verwundert nicht, dass Sektenführer neben anderen destruktiven Charaktereigenschaften (dunkle Triadeimmer auch Narzissten sind.

So wandten sich auch nicht alle ab. Einige fielen auf ihn rein und wurden ihm regelrecht hörig. So auch meine damalige Klientin. Ihre eigene Wahrnehmung nach jahrelangem Gaslighting wieder gerade zu rücken und ihr das Vertrauen in sich selbst und ihre Sichtweise wiederzuerlangen war ein wichtiger Meilenstein in unserem Coaching.

Tipp: Du willst noch mehr über toxische Beziehungen, den konstruktiven Umgang mit deinem narzisstischen Partner und deine eigenen Entwicklungsmöglichkeiten erfahren? Dann trage dich hier in meinem Newsletter ein. Dort erhältst du jede Menge fundiertes Fachwissen zum Thema und lernst anhand vieler persönlicher Fallgeschichten von anderen Betroffenen.

Warum gibt es scheinbar immer mehr Narzissten?

Wissenschaftlich ist noch nicht eindeutig erwiesen, ob unsere Gesellschaft und Kultur dazu beitragen, dass wir immer mehr Narzissten bekommen. Dennoch gibt es immer mehr einzelne Studien, die zu diesem Ergebnis kommen. Subjektiv macht es ebenfalls stark diesen Eindruck. Allerdings sollte man dabei auch berücksichtigen, dass durch die steigende Präsenz des Themas in den Medien das Bewusstsein für Narzissmus immer weiter steigt, was schnell zu dem Eindruck führen kann, dass es auch mehr Narzissten gibt.

Möglicherweise steigt auch nur unser Gewahrsein für die Narzissten, die es in ähnlicher Anzahl schon immer gegeben hat. Unsere heutige Lebensform und insbesondere die modernen Möglichkeiten via Social Media unsere Selbstdarstellung nach Blieben zu pimpen, geben unseren narzisstischen Persönlichkeitsanteilen jedoch definitiv eine nie gekannte Bühne, um narzisstische Tendenzen auszuleben.

Darüber hinaus scheinen Werte wie gegenseitige Wertschätzung, Respekt, Empathie, Nächstenlieben, etc. immer mehr wirtschaftlichen Interessen zu weichen, was ebenfalls narzisstische Tendenzen auf gesellschaftlicher Ebene fördert.

Smartphone und Social Media

Nüchtern betrachtet gibt es kaum etwas Narzisstischeres, als permanent eine Kamera auf sich selbst zu richten. Dass dies für uns zu einem völlig normalen gesellschaftlichen Phänomen (ich nehme mich da nicht aus) geworden ist, spricht Bände.

Laut der Egotech-Studie, die das Mafo Institut Lightspeed im Auftrag von Syszygy durchgeführt hat, sind unsere Smartphones reine Narzissmus-Verstärker. Das gilt insbesondere für die so genannten Digital Natives (Millenials), also die Jahrgänge 1981 - 1998.

Und natürlich sind diese nur Vorreiter für einen bedenklichen gesellschaftlichen Trend, nachdem sich große Teile der Gesellschaft immer mehr in Richtung Egomanie entwickeln und die anderen dabei aus dem Blick verlieren.

Smartphone als Narzissmus-Verstaerker

Untersucht wurde in der Studie der Zusammenhang zwischen Social Media, Smartphones und on Demand Apps (beispielsweise Amazon Prime Video oder Netflix) und Narzissmus. Für die Studie wurden insgesamt 1.024 deutsche Millenials und 1.004 ältere Deutsche befragt. Heraus kam folgendes:

  1. Millenials tendieren zu 13% mehr zu Narzissmus, als ältere Mitbürger.
  2. Wer täglich drei oder mehr Posts auf Social Media macht, ist um 25% selbstsüchtiger, als jemand, der weniger postet. Im Schnitt posten Millenials 2 - 3 Selfies pro Woche. Demnach handelt es sich bei jedem dritten geposteten Bild um ein Selfie. 
  3. Millenials sind um ca. 30% süchtiger nach ihrem Smartphone, als nicht Digital Natives. Das bedeutet nicht, dass die anderen nicht süchtig danach wären. Millenials sind lediglich nochmals 30% süchtiger, als die anderen. Die Studie ergab weiter, dass 48% der Digital Natives lieber einen Monat auf ihr Frühstück verzichten würden, als genauso lange auf ihr Smartphone. 28% war das Smartphone dann sogar wichtiger als Sex, denn sie gaben an, darauf lieber einen Monat zu verzichten, als auf ihr Handy.

Hexenjagd auf angebliche Narzissten

Hexenjagd auf angebliche Narzissten

Ein weiteres Phänomen unserer Zeit liegt darin, dass jeder sich heutzutage mit ein paar Mausklicks Halbwissen über ein Thema aneignen kann.

Meist suchen wir uns dabei nur die paar Aussagen und Informationen zusammen, die ohnehin zu unserer bisherigen Meinung passen, um sie mit weiteren Argumenten zu stützen.

Heraus kommt dabei häufig, dass viele anderen allzu schnell und leichtfertig einen Narzissmus attestieren, wenn ihnen deren Verhaltensweisen nicht in den Kram passen.

Dann wird jeder noch so gesunde Egoismus sofort zum pathologischen Narzissmus stilisiert und der andere in seiner ganzen Person abgewertet.

Interessanterweise nutzen diese Methode auch Narzissten, indem sie selbst dem Gegenüber bei jedem Verhalten, das nicht den Interessen des Narzissten dient, Egoismus oder gar Narzissmus vorwerfen. Besonders typisch ist das für die noch viel zu unbekannte Täter-Opfer-Umkehr (D.A.R.V.O.). Smarter Move! Umso wichtiger ist es für die Betroffenen, genau zu verstehen, was da abläuft.

Narzissten-Keule als Totschlagargument

Wie schon im Abschnitt "Hexenjagd auf angebliche Narzissten" dargelegt, sind allzu viele heute bei ihren Mitmenschen schnell mit der Diagnose Narzissmus zur Stelle, wenn ihnen deren Verhalten nicht passt. Doch damit sollte man sehr vorsichtig umgehen, denn diese Narzissten-Keule wird schnell zu einem Totschlagargument, nach dem alles, was der andere tut und sagt, als narzisstisch entwertet wird.

Das ist auch in der Paartherapie häufig zu beobachten. Meist sind es die Frauen, die in die Therapie kommen und die erste Sitzung mit den Worten eröffnen: "Mein Mann ist solch ein Narzisst!". So verständlich diese Aussage ist, so wenig trägt sie auf Dauer zur Besserung der Konflikte bei.

Nicht nur in der Paartherapie sollte daher der Grundsatz gelten: Keine gegenseitigen Diagnosen stellen! Sonst ist der andere automatisch entwertet. Aus einer Diagnose kommt man nicht mehr heraus. Gute Paartherapeuten wissen das.

Narzissten-Keule

Was ist Co-Narzissmus?

Falls du dich in schon länger in einer toxischen Beziehung befindest und dich fragst, ob du vielleicht auch co-narzisstische Eigenschaften in deinem Persönlichkeitsprofil hast, machen wir es kurz und schmerzlos:

Narzisstisch-Co-Narzisstische-Kollusion

Niemand geht eine längerfristige toxische Beziehung mit einem Narzissten ein, wenn er nicht selbst co-narzisstische Persönlichkeitszüge hat, welche die narzisstische Kollusion erst möglich machen.

Über die bösen Täter und die gut meinenden Opfer

Böse Narzissten und gute Empathen

Das Thema sollte man sehr differenziert betrachten. Es gibt die deutliche Tendenz, besonders in Youtube-Videos aber auch in vielen Artikeln im Netz und diversen Selbsthilfebüchern, grundsätzlich den Narzissten als den Täter und den Komplementär-Narzissten bzw. die Empathin als das Opfer darzustellen. Auf einer gewissen Ebene stimmt das auch.

Vor allem hilft es, viele Menschen, die noch recht am Anfang ihres Entwicklungsprozesses stehen, in ihrem momentanen Erleben abzuholen. Daran ist zunächst einmal nichts verkehrt. Man sollte nur nicht in dieser Haltung verharren, denn sie behindert die eigene Entwicklung. Schließlich soll es ja irgendwann mal besser werden. Am anderen Extrem steht die Haltung, die Co-Narzissten wären mindestens genauso an der toxischen Beziehungs-Dynamik schuld, wie die Narzissten. Da wäre ich schon deutlich vorsichtiger mit solchen Verallgemeinerungen.

Zwar haben echte Co-Narzissten immer auch einen Eigenanteil an der Entstehung und Aufrechterhaltung der toxischen Beziehungs-Dynamik, aber daraus lässt sich nicht ableiten, dass dieser gleich groß wie der des Narzissten wäre oder ihnen gar Schuld zuzuweisen.

Diese Gedanken helfen nicht weiter, treffen jedoch gerade bei co-narzisstisch veranlagten Menschen häufig auf fruchtbaren Boden, da sie ohnehin die Tendenz haben, sich verantwortlich und schuldig zu fühlen und es ihnen durch den Narzissten mittels SchuldumkehrGaslighting und anderen narzisstischen Manipulationstechniken ja auch permanent eingeredet wird.

Darüber hinaus verbindet Narzissten und Co-Narzissten in der Regel ein gemeinsamer ungelöster Grundkonflikt, was zu einem hohen Maß an Empathie auf Seiten der Co-Narzissten für den Schmerz des verletzten inneren Kindes im Narzissten führen kann. Sie haben dann die Tendenz, sich mit diesem verletzen inneren Kind im toxischen Partner zu identifizieren und sein Verhalten damit teilweise auch zu rechtfertigen

 "Er kann ja eigentlich nichts dafür. Er wurde früh gebrochen. In ihm wohnt nur ein kleiner verletzter Junge, der sich verzweifelt nach Liebe sehnt."

Auch das stimmt bis zu einem gewissen Grad, ändert jedoch nichts an dem schädigenden und vollkommen destruktiven Verhalten des Erwachsenen, der dieses verletzte innere Kind beheimatet.

Da es Co-Narzissten süchtig danach sind, gebraucht zu werden und anderen zu helfen, um darüber einen Teil ihrer Identität und vor allem ihr Selbstwertgefühl stabil zu halten, nähren sie damit oft die maligne Hoffnung, sie könnten den Narzissten in irgendeiner Form "gesund lieben", was in der Praxis dazu führt, dass sie in der Beziehung Stück für Stück bei vollem Bewusstsein seelisch zerfallen, anstatt Maßnahmen zu ergreifen, um die toxische Beziehung zu beenden, denn pathologische Narzissten sind nicht therapierbar.

Sie suchen sich einfach einen neuen Wirt als narzisstische Zufuhrquelle, wenn dieser hier verschlissen ist. In diesen Eigenschaften gleichen Komplementär-Narzissten in einer toxischen Beziehung fast einer Geisel mit Stockholm-Syndrom.

Deshalb sollte man hier unbedingt penibel darauf achten, die innere Zerrissenheit des Narzissten nicht gleichermaßen als Rechtfertigung für seine zerstörerischen Taten und Unterlassungen heranzuziehen sondern in Kontakt mit der erlebten Realität bleiben. Ich meine das ganz wörtlich im biblischen Sinne (nein, ich bin nicht religiös): "An ihren Taten sollt ihr sie erkennen." (1. Johannes. 2, 1-6)

Gleicher Grundkonflikt, aber unterschiedliche Entwicklungsaufgaben

Auch wenn es weh tut, das zu erkennen - geh für den Moment einfach mal davon aus, dass dies auch auf dich zutreffen könnte. Sollte das der Fall sein, ist das nämlich der erste notwendige Schritt, um da jemals wieder herauszukommen. Denn in einer toxischen Beziehung stecken bisher nicht gelebte Entwicklungsaufgaben für beide Partner.

Erfahrungsgemäß sind es jedoch die co-narzisstisch geprägten Partner, die es - meist nach Jahren des intensivsten Leidens - schaffen, ihre Entwicklungsaufgaben anzugehen und sich über die toxische Beziehung hinaus zu entwickeln.

Zum Tanz gehören immer zwei und es nützt rein gar nichts, lediglich auf den Narzissten in der Beziehung zu glotzen. Er bekommt in den meisten Fällen wahrlich schon genug Aufmerksamkeit.

Unterschiedliche Entwicklungsaufgaben bei Narzisst und Co-Narzisst

In einer toxischen Beziehung zwischen einem Narzissten und einer Co-Narzisstin verbindet beide der gleiche Grundkonflikt, sie haben jedoch vollkommen gegensätzliche Arten gewählt, damit umzugehen. Aus dieser Polarität bei gleichem ungelösten Grundkonflikt entsteht ein Großteil der zwischen ihnen herrschenden Anziehungskraft.

Während der Narzisst bewundert werden möchte, sehnst sich seine co-narzisstische Partnerin danach, in seinem Glanz zu baden und sich mit dem überlegenen Partner zu identifizieren. Sie entleiht einen Teil ihres Identitätsgefühls beim Narzisstischen Partner in der Hoffnung, dadurch aufgewertet zu werden. Auch hier wird das für beide bezeichnende Selbstwertdefizit deutlich.

Dadurch, dass sie ihren narzisstischen Partner idealisiert, muss sie natürlich dafür sorgen, dass der Heiligenschein des Partners erhalten bleibt und dessen destruktives Verhalten und negative Eigenschaften ignorieren, ausgleichen oder relativieren. Sonst würde er seine Funktion als Identifikationsobjekt zur Hebung ihres Selbstgefühls schnell einbüßen.

Dabei verbindet Narzisst und Co-Narzisst eine ganz eigene Beziehungsdynamik, denn zum gemeinsamen Thema gehören Schuldgefühle, mit denen beide Partner vollkommen unterschiedlich umgehen. Während der Narzisst sie verdrängt und auf die Partnerin projiziert, opfert sich seine co-narzisstische Partnerin meist in der Folge noch mehr auf und versucht, sich ihm und seinen Wünschen noch mehr unterzuordnen.

Da der Narzisst seine Schuldgefühle bei sich selbst nicht wahrnehmen kann und auf seine Partnerin projiziert, wandeln sie sich in Aggression, Kritik und Entwertung um. Das wiederum führt bei der co-narzisstischen Partnerin zu weiteren Schuldgefühlen, die meist in dem Versuch gipfeln, sich dem Narzissten noch stärker anzupassen. Dies wiederum erhöht dessen Schuldgefühle, die erneut abgewehrt und auf seine Partnerin projiziert werden. Ein sich selbst verstärkender Teufelskreis.

---> Hier findest du diese Beziehungsdynamik nach Jürg Willi im Detail beschrieben

Empathen, People Pleaser und das Brave-Tochter-Syndrom

Co-Narzissten - People Pleaser - Brave Tochter Syndrom

Co-Narzissten haben eine besondere Persönlichkeitsstruktur. Das betrifft nicht nur den gemeinsamen Grundkonflikt mit den Narzissten. Meist handelt es sich dabei um Frauen, mit einem ausgeprägten Wunsch, gut für andere zu sein. Sie mussten früh lernen, dass die Wünsche der anderen Menschen in ihrem Umfeld wichtiger sind, als ihre eigenen.

Häufig handelt es sich bei Co-Narzissten um "parentifizierte Kinder". Das sind Kinder, die zu früh selbstständig und erwachsen werden mussten. Mindestens ein Elternteil war so belastet, toxisch oder in eigenen Themen gefangen, dass sie zumindest in Teilen eine Art Elternrolle für den Elternteil oder beide übernehmen mussten.

Häufig wurde ihnen auch schon sehr früh die Verantwortung für ihre Geschwister übertragen.

Sie haben dadurch gelernt, angepasst und brav zu sein. Meist haben sie nur wenig rebelliert und waren gut in der Schule. Durch ihre belasteten Eltern haben sie versucht, keinen Ärger zu machen und perfekt zu funktionieren. Liebe kennen sie hauptsächlich in der Form des "um andere kümmern und für andere da sein".

Dazu kommt meist eine andressierte Beißhemmung. Da aufmüpfiges Verhalten nicht gefragt war, haben sie gelernt, ihre Aggressionen runterzuschlucken und oft selbst gar nicht mehr wahrzunehmen. Ebenso wie ihre eigenen Bedürfnisse. Viele sind so sehr mit ihrem Gegenüber identifiziert, wissen ganz genau, was dieser denkt und fühlt, dass sie nicht sagen können, wie es ihnen selbst damit geht und was sie sich wünschen oder brauchen würden.

Dadurch passen Co-Narzissten und Narzissten zueinander, wie Schlüssel und Schloss. Sie suchen beim jeweils anderen, was sie bei sich selbst bisher nicht entwickeln konnten.

Die vermeintliche moralische Überlegenheit des Co-Narzissten

Im Laufe einer toxischen Beziehung sammeln sich auf der Seite der Co-Narzissten immer mehr Verletzungen an, mit denen dieser irgendwie umgehen muss. Die ständigen Entwertungen des Narzissten dessen teilweise extrem verletzendes Verhalten führt dazu, dass der Co-Narzisst einen Weg finden muss, den letzten Teil seines Selbstwertgefühls am Leben zu halten, ohne zu den Mitteln des Narzissten zu greifen.

Viele retten sich dann auf den Standpunkt der moralischen Überlegenheit. Sie sammeln im Geiste Rabattmarken für jedes entwertende Wort, jede verletzende Tat des Narzissten.

Dieses Konto wächst und wächst im Laufe der Beziehung und verhindert nun auch von Seiten des Co-Narzissten, dass die Beziehung jemals Augenhöhe erreichen kann, solange dieses moralische Konto nicht aufgelöst wird.

Co-Narzissmus - moralische Überlegenheit

Mit der Zeit können Co-Narzissten in dem Versuch, ihre Seele zu retten, unterschwellig sehr böse auf den Narzissten werden, was sich in ausgeprägtem passiv-aggressivem Verhalten äußern kann. Ist es soweit gekommen, lassen häufig auch die bewusst empfundenen Schuldgefühle des Co-Narzissten nach. Diese sind zwar nach wie vor vorhanden, werden nun jedoch ebenfalls auf den Narzissten projiziert. Die toxische Beziehung hat damit eine neue Eskalationsstufe erreicht.

So verständlich dieses Verhalten auch ist, es führt noch mehr in die Ohnmacht und Hilflosigkeit. Gleichzeitig hilft es dem Co-Narzissten in seinem alten Muster zu bleiben und weiterhin den Eigenanteil am Zustandekommen der toxischen Beziehungs-Dynamik nicht wahrnehmen zu müssen. Viele Beziehungen frieren auf dieser Stufe für Jahre ein.

Sie erstarren in einer Situation, in der die Pegel der Verletztheit bei beiden Partnern weiter steigen, während äußerlich keinerlei Entwicklung mehr stattfindet. Was sich Menschen in so einer Situation gegenseitig antun können, lässt sich nur mit den Worten seelische Grausamkeit beschrieben.

In vielen Fällen führt dieser Zustand jedoch mit der Zeit zu einem so unerträglichen individuellen Leiden mindestens eines Partners bei gleichzeitig zunehmendem Verlust dessen, was das Paar verbindet, dass ein Bruch der toxischen Beziehung unter größter seelischer Not immer wahrscheinlicher wird. Dieser gleicht dann häufig einem emotionalen Befreiungsschlag und kann leider in einen regelrechten Rosenkrieg münden.

Doch es geht auch anders:

Entwicklungsaufgabe des Co-Narzissten

Entwicklungsaufgabe des Co-Narzissten

Mit etwas Glück reift im Co-Narzissten mit der Zeit der lebenserhaltende Wunsch heran, selbstständiger zu werden und mehr aus sich heraus zu leben, anstatt in Bezug auf einen anderen. Hierin liegt auch die einzige Chance, die Beziehungsmuster zu durchbrechen, die sie oder ihn immer wieder anfällig für toxische Beziehungen machen.

Dazu ist es häufig heilsam, einen Blick auf die in der Kindheit entstandenen Prägungen zu werfen und diese mittels entsprechender therapeutischer Übungen ein für allemal hinter sich zu lassen. Nur so wirst du in der Lage sein, in Zukunft die wertschätzende Beziehung auf Augenhöhe zu führen, nach der du dich höchstwahrscheinlich sehnst.

Doch da endet es noch nicht

Wenn du Mutter oder Vater bist, denke für einen Moment daran, wie deine Kindheitserfahrungen dich geprägt und zu den Beziehungserfahrungen geführt haben, die du bis heute gemacht hast. Als Elternteil hast du die Chance, diese Kette destruktiver Beziehungserfahrungen für deine Kinder zu unterbrechen, damit sie nicht das durchleben müssen, was du durchlebt hast. Denn Kinder lernen nicht durch das, was man ihnen sagt sondern durch das, was sie an uns wahrnehmen. Konkret und subtil.

Kinder beobachten immer und Beziehungsmuster werden auf verschiedensten Wegen von einer Generation an die nächste weitergegeben. Was könnte es für einen größeren Segen geben, als destruktive Beziehungsmuster der Vergangenheit ein für allemal in der Vergangenheit zu lassen? Stell dir einen Moment vor, was das für Kreise zieht. Egal, ob du jetzt schon Kinder hast oder nicht.

Überlege einen Moment, wie sehr du durch deine toxischen Beziehungserfahrungen verletzt wurdest. Du hast die Chance, dieses Leiden deinen Kindern mit großer Wahrscheinlichkeit zu ersparen, wenn sie sehen, welche Entwicklung du durchgemacht hast. Und nicht nur deinen Kindern ersparst du damit großes Leid.

Auch ihren Kindern und Kindeskindern. Was wir heute in uns heilen, muss nicht mehr von unseren Nachkommen stellvertretend gelebt werden. Es darf vorbei sein. Für dich und alle, die nach dir kommen. Indem wir uns heilen, heilen wir ein kleines Stück der Welt von heute und ein großes Stück der Welt von morgen.

Mehr über dieses Thema erfährst du auch in meinem aktuellen Buch "Ich geh dann mal meinen eigenen Weg - Wie die Erwartungen unserer Eltern unser Leben beeinflussen und wie wir uns davon befreien", erschienen im GU-Verlag.

Ich geh dann mal meinen eigenen Weg - Wie die Erwartungen unserer Eltern unser Leben bestimmen und wie wir uns davon befreien

Wie die Verstrickungen mit unseren Eltern bis in unser heutiges Leben hinein wirken. Mit umfangreichem Übungsteil.

Taschenbuch (240 S.)
16,99 €

Nie wieder toxische Beziehungen

Du möchtest erfahren, wie du selbst einschränkende Muster überwinden, dich vollständig annehmen und die Partnerschaft führen kannst, nach der du dich sehnst? Seit 2012 habe ich mehrere Hundert Menschen auf genau diesem Weg begleitet. Ich freue mich, wenn du bald auch dazugehörst. Lerne mich kennen und lass mich dir helfen, dein Leben um deine wahren Wünsche und Bedürfnisse herum zu gestalten.


*1 https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/ratgeber-archiv/meldungen/article/narzisstische-persoenlichkeitsstoerung-oft-kombiniert-mit-weiteren-stoerungsbildern/
*2 https://scholar.google.com/citations?user=LUrHrxcAAAAJ
*3 https://www.msdmanuals.com/de-de/profi/psychische-st%C3%B6rungen/pers%C3%B6nlichkeitsst%C3%B6rungen/narzisstische-pers%C3%B6nlichkeitsst%C3%B6rung-nps
*4 https://psycnet.apa.org/record/2014-57446-001
*5 https://www.youtube.com/watch?v=8XXD7UE1faU
*6 Reinhard Haller, "Die Narzissmusfalle: Anleitung zur Mensschen- und Selbstkenntnis", gebundene Ausgabe der 12. Auflage, 18. Dezember 2019, Ecowin
*7 Jürg Willi, "Die Zweierbeziehung - Spannungsursachen, Störungsmuster, Klärungsprozesse, Lösungsmodelle", Rowohlt Taschenbuch Verlag, 18. Auflage Juli 2007, S. 71